RUNNER'S WORLD Podcast

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Transkript

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Ela Wildner: Hallo und herzlich willkommen, wie schön, dass Sie wieder eingeschaltet habt zu dieser neuen Folge des Runners' Ride Podcasts. In dieser Podcastfolge gibt es ein spannendes und wie ich finde auch bewegendes Gespräch, das mein Kollege Urs Weber geführt hat und zwar mit Verena Bentelle. Das ist gar nicht so unwahrscheinlich, dass ihr schon mal von Verena gehört habt, denn sie war lange Leistungsbiathletin und Skilangläuferin und hat 4 Weltmeistertitel geholt und zwölf Goldmedaillen bei den Paralympischen. Inzwischen arbeitet sie als Präsidentin des größten deutschen Sozialverbandes, VDK, ist aber weiterhin sportlich und, da kommen wir als Runners World ins Spiel, begeisterte Läuferin. Wie laufen funktioniert, ohne dass man etwas sieht, denn Verena ist blind, wie sie den Sport neben ihrem anspruchsvollen Job unterbekommt. Unter anderem darüber haben Urs und Verena sich unterhalten. Bevor ich euch jetzt im Namen der ganzen Redaktion viel Spaß und gute Unterhaltung mit dem Gespräch wünsche, Aber noch ein kleiner Hinweis auf unser Magazin. Denn es gibt auch den passenden Artikel dazu in unserer Februarausgabe und die liegt auch jetzt im Januar schon am Kiosk. Also solltet ihr das Heft nicht abonniert haben, dann schaut doch gerne mal, ob ihr es an eurem Kiosks des Vertrauens finden könnt. So, jetzt aber, wie gesagt, viel Spaß und beste Unterhaltung mit dem Podcastgespräch und das gibt's jetzt hier.

Urs Weber: Mein heutiger Gast im Runners World Podcast ist eine ganz besondere Persönlichkeit. Sie ist begeisterte und begeisternde Läuferin. Sie hat schon mehrere Marathons absolviert, aber die sind, ohne dass ich das jetzt geringschätzen will, eher eine Fußnote in ihrer sportlichen Biografie. Denn sie hat 12, ich wiederhole, 12 Goldmedalien bei den Paralympics gewonnen zwischen 1998 und 2010. Bei vier Paralympics wohlgemerkt. Die erste Goldmedaille bereits im Alter von 16 Jahren. Und ja, die meisten von euch wissen wahrscheinlich schon, mit wem ich hier sitze. Hier neben mir sitzt Verena Bentele. Hallo Verena.

Verena Bentele: Hallo Urs, danke für die Einladung.

Urs Weber: Ja, danke, Verena, dass du Zeit hast und dass wir mal wieder zusammen laufen können. Das war eben richtig schön.

Verena Bentele: Das war richtig super. Das letzte Mal ist bestimmt schon, ich weiß nicht, fünfzehn Jahre her? Ja, nicht ganz, aber doch so ungefähr fast, ja, das war noch in München, jetzt sitzen wir hier.

Urs Weber: In München, jetzt sitzen wir hier in Berlin in deinem Büro und damals sind wir in München noch an den Isar-Trails gelaufen und beim Women's Run, genau. Verena, ich muss ein paar Fakten aber über dich doch noch droppen, etwa dass du viermal Weltmeisterin warst und fünf weitere WM-Medaillen gewonnen hast und auch viele andere Medaillen auch mehr. Aber du hast deine Profikarriere beendet. Und bist danach auch vielfältig sportlich unterwegs gewesen. Da haben wir uns jetzt auch in den letzten Jahren tatsächlich öfter mal getroffen, weil du also nicht nur als Wintersportlerin auch unterwegs warst im Schnee, sondern auch viel, ob beim Bergsteigen oder auf dem Rad. Du hast eine Kilimanjaro-Besteigung gemacht. Gab es in diesem Jahr Highlights, was du gemacht hast?

Verena Bentele: Also ich versuche eigentlich jedes Jahr irgendeinen Langstrecken-Highlight für mich zu finden. Dieses Jahr war es auf der einen Seite die MSR, die Mecklenburger Seenrunde, für alle, die die nicht kennen. Ein mega tolles Rennen von Detlef Köpke und seinem Team. Wirklich ganz engagierte, tolle Menschen, die das organisieren, schon seit vielen Jahren. Und ich bin dieses Jahr das erste Mal mitgeradelt. Ne, das war gar nicht laufen, radeln. 300 Kilometer radeln um die Mekelenburger Seeplatte mit einem Tandem. Hab ich das mit meinem Freund zusammen gemacht, das war richtig toll, das war Ende Mai und dann sind wir nachts um 3.50 Uhr gestartet und mit Pausen und allem nach 11 Stunden 40 Minuten circa wieder angekommen. Nach den 300 Kilometern war eine super Erfahrung. Wir waren ganz viel allein unterwegs, also viele Teilnehmende, aber unser Tempo hat für viele nicht so gepasst. Bis nach den ersten 50 Kilometren sich zwei andere Radler hinter uns hingehangen haben, die gesagt haben Wir würden eigentlich gerne mit euch mitfahren. Wir können wahrscheinlich nicht so oft nach vorne, aber wir können mitfahren." Und da habe ich kurz überlegt, die Ex-Sportlerin, willst du das, wenn die in den Windschatten gehen? Der ehrgeizt euch. Aber dann dachte ich, nee, komm. Und da hab ich mit meinem Freund besprochen, komm, das ist doch eigentlich cool, weil wir haben so viel Zeit zum Reden. Das ist doch schön, wenn wir noch zwei haben, mit denen wir quatschen können. Bei 300 Kilometern hast du doch ein bisschen Zeit. Und das war eine super Geschichte, war eine ganz tolle Erfahrung. Hat richtig viel Spaß gemacht, auch das zusammen zu schaffen, auch mit meinem Freunden. Genau, und dann bin ich dieses Jahr den Berlin-Marathon mitgelaufen, bei Riesenhitze wie viele andere.

Urs Weber: Oh ja.

Verena Bentele: Ich habe sehr meine Kollegin im DOSB, also ich bin im Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes, wo auch die Fabienne Königstein als Athletenvertreterin ist und die Fabien hat an diesem Tag eine mega Bestzeit gelaufen. Also da sagt mal einer, das geht nicht an so einem Tag, es ist möglich. Aber für mich war es das nicht. Ich fand den Berlin Marathon mega heiß und anstrengend, aber ich habe ihn fertig gemacht.

Urs Weber: Du hast gefinished.

Verena Bentele: Ja, und ich hatte vor allem Spaß durchs Brandenburger Torlaufen, ist doch ein emotionaler Moment und ich hatte bis am Tag vorher, am Nachmittag noch eine Veranstaltung, am nächsten Tag muss ich um acht wieder in der Arbeit stehen. Also dafür, dass es jetzt auch nicht so eine entspannte Woche und entspannt Zeit vorher war, bin ich zumindest zufrieden, es geschafft zu haben und mir tut sowas immer noch mega gut, so einen Energieschub zu kriegen. Auch alle anderen glauben immer, man liegt danach dann nur noch auf der Couch, aber Wir Läufer wissen es ja eigentlich, das Gegenteil, finde ich, ist der Fall. Also ich habe danach dann immer so viel Energie, dann ist es fast noch schlimmer, wie wenn ich morgen zum Acht im Büro alle treffe und ich komme gerade vom Laufen rein und die anderen kommen halt von zu Hause. Dann bin ich schon so mega gut gelaunt. Das ist immer für alle ein bisschen anstrengend.

Urs Weber: Ja, man verausgabt sich total, aber komischerweise setzt das unheimlich viel Energie frei. Ja, Verena, wir müssen gleich mal einen großen Bogen spannen. Also einmal natürlich von deinen sportlichen Aktivitäten als Profisportlerin, als Biathletin, als Olympiagoldmedaillengewinnerin bei den Paralympics, aber natürlich auch zu deinem Job gleich. Und zunächst mal, Veren, das habe ich mir extra hier auf dem Zettel geschrieben, damit war das erst mal erklären für alle, die dich nicht kennen. Du bist von Geburt an blind? Und bist aber schon vor zig Jahren angefangen oder als Kind schon angefangen mit diversesten Sportarten, bist dann aber tatsächlich, hattest schon ganz früh, weiß ich aus deiner Biografie und früheren Erzählungen, dass ganz früh schon eine Passion auch für den Wintersport gehabt, für Wintersportharten.

Verena Bentele: Genau, ich habe als Kind vom Bodensee, ich bin am Bodenseeh aufgewachsen und dort natürlich eine hohe Affinität zum Wintersport. Meine Eltern sind Skifahrer, haben meine Brüder und mich immer mitgenommen zum Skifahren und uns mit, wahrscheinlich war ich so drei, vier Jahre alt, das Skifahnen beigebracht. Kurz nach dem Laufen lernen, das Ski-Fahren gelernt. Ja genau, kurz nach dem laufen lernen und Radeln, Radfahren lernen, das war auch wichtig. Wir hatten zu Hause bei meinen Eltern viel Platz am Bodesee. Und ich habe zwei ältere Brüde, wovon der älteste Bruder sehen kann, der andere Bruder und ich, wir sind blind. Als der sehende Bruder das Radfahren gelernt hatte, wollten wir auch Radfahren lernen. Unsere Eltern waren da immer dabei. Die haben gesagt, wenn ihr meint, ihr wollt auch Rad fahren, dann bringen wir euch das bei. Erst mit Stützrädern, dann ohne und mit Festhalten. Irgendwann konnten wir auch radfahren. Dann hieß es nur, ihr müsst aufpassen, wo Hindernisse stehen. Autos, Traktoren. Auf die Straße durften wir auch nicht alleine fahren. Aber bei uns im Hof rum und in den Feldern, das war kein Problem. Das haben die Eltern uns machen lassen und dann haben sie uns Skifahren beigebracht, so kam dann so meine Liebe auch zum Schnee, zum Abfahrtski, Alpinskifahren und erst in der Schule im Internat im Schwarzwald hatte ich dann die Möglichkeit nach dem Judo-Training, nach dem Voltigieren, habe ich auch alles gemacht, dann auch noch anzufangen mit Skilanglauf und dann war mit zehn Jahren so die Liebe zum Langlauf geboren, weil ich einfach, ja diesen... Tollen Mix aus Ausdauerkraft, Koordination, fand ich immer super. Man braucht eine gute Technik, man braucht aber eben wirklich auch eine gute Ausdauer. Das hat mich fasziniert und mir von Anfang an mega viel Spaß gemacht.

Urs Weber: Ich sehe jetzt förmlich vor mir, wie viele Hörer jetzt ein Fragezeichen vor sich sehen und sich fragen, wie geht das alles, aber zunächst mal, wir sind gelaufen und für alle, die das noch nie gemacht haben, man vergisst sehr schnell, deswegen habe ich mir das eben auf den Zettel geschrieben, dass wir an dieser Stelle darauf hinweisen, man vergesst sehr schnell, wenn man zusammenläuft, dass man eigentlich so zusammen als Laufpaar sozusagen zusammenläuften. Wenn du mit jemandem läufst, wir haben jetzt, also wir eben auch, wir haben dann so ein Bänzel in der Hand und kommunizieren damit eigentlich und wie gesagt, also mir geht es so, man vergisst das relativ schnell.

Verena Bentele: Man vergisst tatsächlich, weil ich ja auch sonst jetzt nicht so viel Unterstützung brauche. Aber was ich schon brauche, ist eben anhand dieses Bendels. Das ist ein ganz normales Schuband. Das ist gar nichts dramatisches, kein besonderes Band oder so. Sondern wirklich normaler Schubendel, der zusammengeknotet wird. Und dann haben beide diesen Schubanbendel in der Hand und laufen nebeneinander. Aber klar, der Laufpartner oder Begleitläufer ist halt schon mein Auge. Also wenn eine Stufe kommt. Wir waren jetzt gerade hier in Berlin Mitte unterwegs, wo doch relativ viele. Tische, Aufsteller, Schilder auf dem Bordstein stehen oder wir mussten Straßen überqueren. Dann ist eben die Aufgabe des Begleitlaufers wirklich auch anzusagen, jetzt kommt eine Stufe, komm mal näher her oder mich einfach an den Band ein bisschen rüberzuziehen, dass ich merke, aha, das sind andere Fußgänger, die uns entgegenkommen. So mache ich das eigentlich immer, wenn ich mit Leuten unterwegs bin, egal ob jetzt im Park, im Englischen Garten in München, an der Spree in Berlin oder wie wir gerade einfach auch richtig durch die Innenstadt. Da muss man dann einfach noch mehr aufpassen. Und beim Marathon ist auch schon interessant, weil da sehr viele Menschen sehr, sagen wir mal, interessante Wege nehmen. Sie schneiden natürlich gerne Kurven, weil sie diese fünf Zentimeter abkürzen wollen. Sie tragen Musik in den Ohren, haben Kopfhörer aufhören, also nicht, wenn von hinten jemand sagt, geh mal weg. Viele haben natürlich irgendwann auch nicht mehr so die Konzentration, um richtig zu schauen. Also beim Maraton haben die Begleitläufer auch schon richtig was zu tun.

Urs Weber: Ja, das glaube ich sofort, ja. Und lass uns das auch vielleicht gleich noch dazu erzählen zum Biathlon. Also beim Biathlon ist natürlich die Abwechslung von Präzision beim Schießen und dann die Ausdauer. Und das vielleicht auch zur Erklärung geschossen wird mit akustischen Signalen. Du hast dann ähnlich, kann man es vergleichen, wie so ein Parkpiepser beim Auto.

Verena Bentele: Ja, du bist gut, genau. Das kann man wirklich wie, wenn man so kurz vor dem Schild ist, mit der Einpackautomatik, wenn die so ganz hoch so blub macht, dann habe ich die Zehen gefunden mit den Bewegungen des Gewehrs und höre auf den Kopfhörer eben ein Signal und drücke dann auf den Auslöser und höra dann entweder ein blub blub, dann war es ein Treffer oder ich höre so ein brrrrp und dann weiß ich, okay, das war der Fehler, genau und beim Laufen ist der Begleitlörfer nicht mit mir verbunden durch den Band, sondern nur mit der Stimme und muss vor mir eben immer Kommandos geben, also sagt hopp, wenn es gerade ausgeht. Oder anhand der Uhrzeit links auf 10, links auf 11, dann weiß ich wie scharf die Kurven sind. Ahja.

Urs Weber: Wie ist deine Routine jetzt? Du hast im, das ist auch schon lange her, also 2011, bis 2011 warst du richtig als Profisportlerin unterwegs. Wie ist heute deine Sportroutine? Jetzt sind wir eben schon gelaufen hier, wie schaffst du es so, Sport zu integrieren in dein Alltag?

Verena Bentele: Also für mich ist ganz wichtig, schon regelmäßig was zu machen. Ich würde natürlich, klar, theoretisch gern auch noch mehr machen. Aber da merke ich dann doch meine zeitlichen Limitierungen. Und was ich so schaffe, das ist oft vor der Arbeit laufen zu gehen. Und das ist für mich auch so die schönste Zeit auf der einen Seite, weil ich dann wirklich morgens schon schön Adrenalin und gute Laune für den Tag kriege. Aber es ist auch für die Zeitplanung einfacher. Ich bin jetzt als Präsidentin des Sozialverbandes VdK und auch für meine. Anderen vielen Dinge, die ich mache, wenn ich privat Vorträge halte oder wie auch immer, egal was ich mache. Ich bin einfach sehr viel unterwegs und habe viele Termine den ganzen Tag und da ist der Morgen immer am besten planbar, weil da weiß ich schon, wann der Tag anfängt und kann dann halt entsprechend früh losgehen. Ich habe in meiner Wohnung sonst auch ein Laufband. Also wenn es mal gar nicht funktioniert mit Begleitläuferin oder Begleiter und wenn keine Freunde von mir schon vor der Arbeit auch gerne früh aufstehen und mit mir laufen, dann habe ich auch mein Lauf band und kann auf dem sporteln und am Wochenende mach ich oft in München dann entweder mal einen längeren Lauf oder, ja, geh Radfahren, wenn's wärmer ist. Also am Wochenende versuche ich immer, was Längeres zu machen. Manchmal auch in Münchien oder hier in Berlin nach der Arbeit, wenn es sich mal ergibt und der Abend frei ist. Aber ich würde sagen, so in der Regel drei Mal in der Woche schaffe ich eigentlich immer. Da muss eine Woche schon ganz schlecht laufen, dass das nicht klappt und öfter ist dann schön.

Urs Weber: Super. Auf jeden Fall hast du da einen großen Vorbildcharakter. Du sagtest eben, du bist Präsidentin vom Sozialverband VdK Deutschland. Deswegen, man hörte eben hier die Straßenbahn so ein bisschen im Hintergrund. Wir sitzen nämlich hier wirklich in Berlin Mitte, Uranien, Bogator. Hier rumpelte gerade gegenüber vom Tacheles die Straßenbahnen durch die Straße. Tolle Gegend hier in Berlin-Mitte. Und hier bist du seit, stimmt das, Mai 2018 bist du hier schon? Ja, genau. Mai 2018.

Verena Bentele: Ja, genau. Mai 2018 wurde ich das erste Mal gewählt und dann vor drei Jahren, nee, wann war das? Zwei, dreiundzwanzig, vor zwei Jahren wiedergewählt, genau, und ja, bin hier die Präsidentin von 2,3 Millionen Mitgliedern, mache hier die sozialpolitische Interessenvertretung. Also ich war letzte Woche bei der Gesundheitsministerin und beim Bundeskanzler, ich meine, so spektakulär sind jetzt nicht alle Wochen. Ja, das war schon aufregend. Ja, es war schon Aufregend und habe dort mit denen ... Politikerinnen und Politikern hier in Berlin die Gelegenheit, über Gesetzgebung zu diskutieren, die Perspektive meiner Mitglieder einzubringen und natürlich auch Pressearbeit zu machen für die Anliegen unserer Mitglieder, das ist wirklich ein toller Job.

Urs Weber: Vor allen Dingen, Verena, du sagtest, es sind etwa 2,3 Millionen Mitglieder im VdK Deutschland. Das ist mehr, als in den großen Volksparteien Mitglieder zusammenkommen und die sozialen Fragen stehen ja momentan in der Politik für jeden Einzelnen auch gerade so bundespolitisch ganz stark im Fokus. Was sind da so, nimm uns mal ganz ein bisschen mit so in die Themen. Was sind so derzeit die großen Themen, die du dann da auch letzte Woche in den Gremien besprochen hast?

Verena Bentele: Also die Riesenthemen sind natürlich gerade, wie stabilisieren wir in der Zukunft unsere Rente und sorgen dafür, dass sie für jüngere und ältere Menschen noch so gut ist, dass die im Alter auch davon leben können. Wie gestalten wir unser Gesundheitssystem, damit alle Menschen eine gute Gesundheitsversorgung haben und die Kosten nicht immer weiter steigen und die Leistungen schlechter werden? Was haben wir für Menschen mit Behinderung, für gesetzliche Regelungen, dass der Barrierefreiheit in Deutschland besser wird, weil wir haben immer noch sehr viele ... Nicht-barrierefreie Webseiten, nicht- barriere- freie Bahnhöfe, nicht-barierefreier Einrichtungen im öffentlichen Leben, aber vor allem auch im privaten Bereich, also dass irgendwo keine behindertengerechte Toilette ist, die Rollstuhlfahrerinnen und Rollstufahrer nutzen können. Das sind alles so unsere Themen. Das Thema Pflege betrifft auch super viele Menschen in Deutschland, weil ja doch ganz viele entweder selber jemand Pflegebedürftigen in der Familie haben oder sich Gedanken machen, wie wird das bei mir mal später? Genau, und da bin ich eben unterwegs hier mit unseren Kolleginnen und Kollegen im VdK, auf der einen Seite in unseren Landessubenden, ich bin noch in Bayern noch Landesvorsitzender, da wird eben ganz intensiv für die Mitglieder Rechtsberatung angeboten, wenn sie Probleme haben und zum Beispiel ein Hilfsmittel oder eine Reha-Leistung abgelehnt wird, dann gehen wir vor die Gerichte und klagen für die Mitglieder. Das ist so ein Feld, in dem unsere Beraterinnen und Berater tätig sind. Und das Wissen aus der Rechtsberatung nutzen wir dann eben, um Einfluss auf die Gesetzgebung zu nehmen. Und das ist dann eher so mein Feld, auf dem ich mich einbringe.

Urs Weber: Also sprich alle großen politischen Herausforderungen der jetzigen Zeit, also alle Themen eigentlich, die so gerade auch die politische, innenpolitische Debatte beherrschen, die kreuzen quasi auch deine Aufgabenfelder.

Verena Bentele: Auf jeden Fall. Und gerade natürlich auch so Themen, die wir alle in Großstädten lebenden. Und natürlich auch in anderer Form vielleicht ein bisschen die auf dem Land lebenden Menschen kennen. Wie finden wir eigentlich noch bezahlbaren Wohnraum? Das ist wirklich ein Riesenproblem. Wenn man dann auch noch weiß, man braucht vielleicht, wenn man älter ist, einen barrierefreien Wohnraum oder als Mensch mit Behinderung, also wo man mit dem Rollstuhl rein kann oder mit dem Roulator nutzen kann, dann wird es noch schwieriger. Das sind eben auch alles Probleme, mit denen wir uns tagtäglich beschäftigen.

Urs Weber: Verena, zur Gesundheit des Menschen generell zählen ja verschiedene Bereiche und wenn man so das biopsychosoziale Modell der Gesundheit zugrunde legt, dann sind es drei Bereiche. Das ist einmal die physische, die psychische Gesundheit, aber auch der soziale Bereich, der dazu gehört. Ist dieses Dreieck für dich im Gleichklang? Also sind diese drei Aspekte in unserer Gesellschaft gleich wichtig vertreten?

Verena Bentele: Also ich würde sagen, sie sind nicht. Sie sind alle drei extrem wichtig, aber sie kriegen nicht die gleiche Aufmerksamkeit. Wenn wir mal zum Beispiel auch diese ganze Frage der sozialen Teilhabe anschauen. Einsamkeit wird ein immer größeres Problem in unserer Gesellschaft. Immer mehr Menschen, die eben keinen Anschluss haben, die nicht irgendwo integriert sind, die vielleicht keine Familie mehr haben und die durch Einsamheit einfach auch eine hohe psychische Belastung oft haben. Das ist zum Beispiel ein Riesenthema. Dann haben immer mehr Menschen wirklich auch psychische. Herausforderungen, weil sie einfach so vielfältige Belastungen haben, vielleicht in der Arbeit, auch im Privatleben, die Nachrichtenlage, die vielen Menschen Sorge macht, daran sieht man einfach auch, dass die psychischen Herausforderungen für viele Menschen immer mehr werden. Und all diese Themen verdienen wirklich alle viel Aufmerksamkeit und sind natürlich auch für die Gesellschaft super wichtig. Deswegen zum Beispiel für mich jetzt in meinem Ehrenamt bin ich eben auch noch beim Deutschen Olympischen Sportbund im Präsidium als Vizepräsidentin. Auch natürlich so ein Thema wie Zugang zu Sport und Bewegung extrem wichtig ist, dass wir hier mehr darüber sprechen, aber auch gute Strukturen dafür schaffen.

Urs Weber: Also gerade im sozialen Bereich, wir als Sportlerinnen und Sportler wissen das natürlich, aber gerade im Sozialen Bereich kann ja auch der Sport viel helfen.

Verena Bentele: Ja, der Sport kann extrem viel helfen, eben wirklich auf der einen Seite, weil natürlich Bewegung gesund ist, gut tut, aber eben auch, weil positive Botenstoffe durch Bewegung und Sport erzeugt werden. Aber weil es natürlich auch eine Gemeinschaftsaktion ist. Natürlich, wenn ich jetzt sage, laufen als Gemeinsachtsaktion, kann man sagen, ja, ist ja ein Individualsport, aber es gibt ja immer mehr Laufgruppen, immer mehr Personen, die man gemeinsam durch eine Großstadt traben sieht und die vielleicht noch nebenher. Sogar was über die Stadt erfahren oder die einfach nur zusammen laufen gehen. Und in meinem Fall, wo ich immer Begleitläuferinnen und Begleiter dabei habe, ist es ohnehin für mich einfach inzwischen eine ganz tolle und schöne Routine geworden, bei aller Abhängigkeit, die ich auch ein Stück weit habe beim Laufen, dass ich da natürlich auch mit Freunden oder mit meinem Partner beim Lauen einfach mal die Woche bequatschen kann und über Gott, die Welt, das Leben, die Politik und über alles reden kann, was uns gerade so beschäftigt. Das ist einfach für mich inzwischen auch wahnsinnig schön geworden. Wenn ich am Sonntagmorgen neulich mich mit einem Kumpel treffe, den ich selten sehe, dass ich dann halt anderthalb Stunden über alles Mögliche quatschen kann. Keiner rennt weg, keiner hat das Handy ständig nebendran. Das ist auch total schön. Und das ist für mich schon eine Möglichkeit, die die Menschen einfach hier auch mehr nutzen sollten. Ja, um vielleicht etwas gesünder zu sein, dass sie sich einfach regelmäßig bewegen, egal ob es jetzt eine Walking Gruppe ist, spazieren gehen, Gymnastik, Yoga. Jeder hat ja so andere Vorlieben, aber da wünsche ich mir schon für viele, dass sie dann Zugang zu finden. Und gerade für Menschen mit Behinderung brauchst du natürlich dann auch noch barrierefreie Angebote, für ältere Menschen altersgerechte Angebote. Da ist schon auch viel einfach noch zu tun.

Urs Weber: Lass uns gleich mal noch draufzukommen, aber ich höre auf jeden Fall schon mal raus, für dich ist das Laufen jetzt auch mittlerweile so tatsächlich soziale Plattformen und Gesprächsplattformen. Du triffst dich also wirklich zum Austausch.

Verena Bentele: Genau, ich treffe mich wirklich natürlich schon in erster Linie zum Laufen, sonst könnten wir auch irgendwo Kaffee trinken gehen, aber gerade bei mir ist es zum Glück schon so, dass natürlich einige meiner Freundinnen und Freunde auch gerne Sport machen und mich mit denen zum Laufenden treffen, finde ich total super, weil wir dann eben beides verbinden können. Wir können uns gemeinsam bewegen, aber wir können uns eben auch austauschen, unterhalten, diskutieren, lachen. Das ist ja auch total schön und einfach ja auch so eine, ja, das ist jetzt ein bisschen abgetroschen, aber so eine Quality Time zusammen zu haben. Ist für mich schon was total Wertvolles. Und zum Beispiel, als ich dieses Jahr jetzt mit meinem Freund für den Marathon trainiert habe, war das einfach auch eine schöne Möglichkeit. Am Samstagmorgen bei dem 30 Kilometer Lauf, da hat man ja so ein bisschen Zeit, wenn man durch die Münchner Parks oder an der ESA entlang läuft. Da hat man auch schon gute Möglichkeiten, um mal so ein bisschen intensiver über Dinge auch zu diskutieren und zu sprechen.

Urs Weber: Du bist ja, jetzt haben wir eben gemerkt, dass wir das Gebäude hier wieder nach dem Lauf zurückhaben. Allein dadurch, dass du laufen gehst, ist das ja schon eine große Vorbildfunktion auch. Die Mitarbeitenden hier im Gebäud, die gucken dann gleich uns an, dich in Sportsachen hier anstatt jetzt wie jetzt hier.

Verena Bentele: Morgen fange ich auch an, den Spruch höre ich dann jeden Tag, wenn ich dann immer morgens früh um fünf vor acht hier reinkomme und unten im Empfang schon die ersten sind und hier oben im Büro in der fünften Etage höre ich dann noch mal von den ersten. Ja, morgen mache ich mit.

Urs Weber: Aber Verena, du wirst sehen, irgendwann ist der Morgen soweit. Ja, absolut. Das ist so. Alles gut.

Verena Bentele: Absolut, das ist alles gut. Ich motiviere die immer und sage sie können jederzeit sich anschließen. Es ist nicht zu spät. Wir sind offen für alle. Wir gehen um Viertel vor sieben los oder halb sieben. Sie können da sein und mitgehen. Das ist gar kein Problem. Ich leite mal alle ein.

Urs Weber: Du bist auf der einen Seite ganz, ganz aktive Sportlerin, heute noch früher natürlich Goldmedaillengewinnerin, Gewinnerin vieler Meisterschaften und dergleichen mehr. Aber vor allen Dingen bist du auf der anderen Seite auch eine mit zahlreichen Auszeichnungen geschmückte Botschafterin des Sports, weil so eines deiner großen Anliegen ist es, Politik und Gesellschaft für das Leben von Menschen mit Behinderung zu sensibilisieren. Das ist ein großes Thema. Welche Rolle spielt da der Sport für dich, Verena?

Verena Bentele: Für mich ist natürlich heute der Sport nicht das einzige Mittelmeer, mit dem ich Überzeugungsarbeit leiste. Wir haben Gesetze, wie ich diskutiere, natürlich auch viel über die Möglichkeiten, die durch die Gesetzgebung, durch politische Regelungen, Maßnahmen und Richtlinien geschaffen wird. Aber ich finde, der Sport ist deswegen so besonders, weil er halt ein tolles Beispiel ist. Weil man im Sport zum Beispiel genau zeigen kann, wie Inklusion laufen kann. Also wenn zum Beispiel bei den Special Olympics... In den letzten Jahren, wo die Special-Olympic-World-Games hier in Berlin zum Beispiel waren, da war in ganz vielen Städten in Deutschland, die waren Hospitality, ne, wie nennt sich das? Hospitality Center? Ja, ne. Die hatten so ein Besuchsprogramm. Die waren Gastgeberstädte für die Special Olympics-Sportlerinnen und Sportler. Host Cities, genau, jetzt hab ich's, die Host Cities. Und das war total schön, weil dann die Sportlerinnen Sportler... In den jeweiligen Städten vorher waren, dort auch mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kamen, ihren Sport vorgestellt haben. Es gab Tage, wo man gemeinsam gesportet hat, wo sich Vereine mit den Athletinnen und Athleten getroffen haben. Das war eine superschöne Geschichte. Wir machen regelmäßig aber eben auch Talent-Tage für junge Athletinnen, Athleten mit und ohne Behinderung. Und da kann man einfach immer ganz schön sehen, wie sich Menschen gut kennenlernen und in meinem Sport. Ich konnte immer schon das gute Beispiel ein Stück weit vorleben und zeigen, was Inklusion bedeuten kann. Dass man auch einfach mal, wie bei meinem ersten Judo-Verein, in dem ich trainiert habe mit acht Jahren, da haben einfach alle zusammen angefangen. Der Trainer hatte auch keine Ahnung davon, wie es ist, wenn man nicht sieht, Judo zu machen. Aber der war damals offen, der hat gesagt, die können alle kommen, die Jugendlichen von der Blindenschule. Und hat dann halt angefangen, mit uns allen Training zu machen und das war schon für mich eine tolle Erfahrung. Zu sehen, wie da jemand einfach die Inklusion lebt und ausprobiert. Und wenn ich heute natürlich sehr viel über die Gesetzgebung diskutiere, ist auch das wichtig, gesetzliche Grundlagen zu haben. Aber am Sport kann man eben auch sehen, na ja, durch mich hat der Begleitwerfer die Gelegenheit, bei den Paralympics zu starten und hat auch eine Goldmedaille bekommen, das ist auch Inklusion, dass er durch mich die Möglichkeit hat, da zu starte. Klar, ich finde durch ihn den Weg. Er leiht mir seine Augen. Wir sind beide extrem wichtig füreinander, aber eben ja, diese. Möglichkeiten, deinen persönlichen Aktionsradius zu erweitern durch Inklusion. Da ist der Sport eine schöne Metapher dafür, ein schönes Bild.

Urs Weber: Ja, und vielleicht auch tatsächlich, manchmal geht auch ein bisschen so eine Vorbildfunktion da vom Sport aus. Du sagtest jetzt eben schon, du bist beim Berlin-Marathon mitgelaufen, jetzt 2025 mal wieder, weil schon dein, ich weiß gar nicht, wie viele Marathons hast du gezählt?

Verena Bentele: Oh, weiß ich gar nicht. Also Berlins dritte Mal, aber ich bin auch schon in Hamburg gelaufen, in München, Oberelbe-Marathon. Wo war ich noch? Köln, der war auch super. Also ich hab schon ein paar gemacht, ja.

Urs Weber: Ja, auf jeden Fall. Also, im Rahmen vom Berlin-Marathon jetzt dieses Jahr gab es da auch eine Diskussionsveranstaltung, bei der du dabei warst. Der Titel war Running for All, von Barrierefreiheit bis zur passenden Ausrüstung. Und da fand ich auch ganz interessant, das war angerickt von Zalando. Und Zalado hat mittlerweile ein sehr, sehr breites Produktspektrum für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen. Also, die nennen das da adaptive Bekleidung. Also Kleidung, die so gestaltet ist, dass sie von Menschen gesundheitlichen Einschränkungen und Behinderungen leichter getragen werden können. Wie war da dein Eindruck bei der Diskussion? Wie war die Stimmung und war das eine Vorbildfunktion?

Verena Bentele: Also schön war, es waren unterschiedliche Athletinnen und Athleten da, zum Beispiel auch ein Läufer mit Prothesen, der natürlich schon sagt, es ist extrem praktisch für ihn, wenn er an der Seite, an der Außenseite der Hose einen Reißverschluss oder Glättverschlüsse hat, um das Hosenbein zu öffnen, um die Prothese leichter an- oder ablegen zu können. Das ist extrem praktisch. Eine andere Athletin hat eben eher durch eine motorische Einschränkung die Herausforderung, wie sie die Klamotten gut über den Kopf kriegt. Und dann wurde ein T-Shirt vorgestellt, das Klettverschlüsse an den Schultern hat, damit man es leichter aus- und anziehen kann. Also was mich auf jeden Fall gefreut hat bei der Diskussion, dass es wirklich um Sport ging. Es war jetzt nicht nur so ein deprimierendes Thema, Menschen mit Behinderung wollen ja auch irgendwie mitmachen, sondern es war wirklich eine zu packende, schöne Möglichkeit zu zeigen, was eigentlich durch die richtigen Hilfsmittel, durch die richtige Ausrüstung alles geht und dass es eben auch darum geht, wirklich, dass sich die Gesellschaft auf diese Themen einstellt. Weil wir immer mehr Menschen haben mit besonderen Bedürfnissen. Wir haben immer mehr ältere Menschen, die auch gerne fit und aktiv sein wollen und Sport machen wollen, Menschen mit Behinderung, die Sport machen wollen. Und da ist es schon klasse, wenn eben auch das Thema Mode für Menschen mit Behindernung nicht eine Sache ist, wie vielleicht noch vor 40 Jahren, die sich vor allem im Hilfsmittelbereich, in dem Orthopädie-Fachgeschäft abspielt, sondern wirklich auch in den Mode-Bereich reingeht. Und mich zum Beispiel interessiert so ein Thema wie Mode auch deswegen. Hab ich mir natürlich dann auch Gedanken gemacht, was bedeutet das eigentlich für mich, wenn ich meine Farben, da hab ich ein Farberkennungsgerät dafür als Hilfsmittel, aber für mich sind natürlich jetzt vielleicht nicht diese Möglichkeiten wie einen Reißverschluss außen an der Hose relevant, sondern für mich wäre es manchmal praktischer, irgendeine Farbmarkierung zu haben, innen, an den Klamotten, damit ich weiß, aha, das ist die und jene Farbe, die kann ich zusammen waschen oder die passen zusammen. Da hab ich jetzt andere Techniken für, aber das wäre dann vielleicht für mich was Praktisches.

Urs Weber: Das ist so mehr als ein Randthema, das fiel mir bei unseren letzten Treffen immer auf, du achtest da sehr stark auch drauf, auf den Stil, auf die farbliche, das Zusammenpassen von Ausrüstung. Wir haben eben sogar bei unserer Laufausrüstungen drauf geachtet.

Verena Bentele: Genau. Ja, ich finde es schon wichtig, ist es ja auch schön, wenn man sich wohlfühlt in seinen Sachen, wenn man das Bild nach außen transportiert, das man transportieren möchte. Und das kann man ja schon ein bisschen bewusst auch ein Stück weit steuern. Und deswegen ist es für mich inzwischen eigentlich schon Normalität, da auch darauf zu achten und mir so ein bisschen Gedanken zu machen, was ist genau meine Wirkung, die ich heute haben will. Und lasse mich da auch von einer Freundin beraten, die Stylistin ist. Und das ist schon für mich auch eine gute Möglichkeit, um mich wohlzufühlen.

Urs Weber: Und motiviert dann auch, auch beim Sport machen. Bewegung spielt eine große Rolle in deinem Leben, in unserem Leben, so in unserer Blase bei ganz vielen Menschen. Du sprichst von deinem Freund, von dem Umfeld, von deinen Eltern, die da Vorbilder waren. Dennoch, gesellschaftlich gesehen, gibt es immer noch viel zu wenig Menschen, die sich eigentlich bewegen. Wie ist das bei Menschen mit Behinderung, also auch gerade mit Sehbehinderung? Brauchst du da noch mehr Motivation? Was kann man da machen? Wie können Läuferinnen und Läuber da was machen?

Verena Bentele: Also was für mich wirklich immer noch ganz, ganz traurig ist, dass viele Menschen mit Behinderung keinen Zugang haben zum Sport. Über 50 Prozent, 55 Prozent der Menschen mit Behinderungen machen keinen Sport. Das hat unterschiedliche Gründe. Manche wollen natürlich nicht. Manche haben aber einfach auch zu viele Barrieren, die Barriere im Kopf von sich selbst, von anderen Menschen, weil sie sich nicht vorstellen können, wie kann das gehen? Kann ich einfach wohin gehen und fragen, ob ich mitmachen kann? Also die sozialen Barriern sind groß. Dann natürlich nicht barrierefreie Sportstätten sind ein Riesenthema. Und klar, gerade insbesondere jetzt bei Sportlerinnen und Sportlern wie bei mir, die nicht sehen, ist natürlich oft die Begleitperson auch das, was fehlt. Deswegen es gibt schöne Angebote wie den Achilles Track Club, einen internationalen Laufklub, die eben auch Sportler mit und ohne Handicaps zusammenführen und gemeinsame Laufeinheiten machen, zu Wettkämpfen fahren, zu Läufen fahren. Das ist eine Möglichkeit. Ansonsten gibt es aber eben auch Laufclubs, an die man sich wenden kann, wo man gucken kann, wie man vielleicht dort mitlaufen kann, Laufstreffs, zu denen man gehen kann. Aber eben so was wie Achilles oder andere Möglichkeiten, sich wo anzuschließen, ist sicherlich immer noch was, was für viele Menschen fehlt. Gerade wenn es dann auch darum geht, regelmäßiger zu laufen, vielleicht auch in einem bestimmten Tempo zu laufen. Und das kann auch beides sein. Manche guten Sportlerinnen und Sportler sagen vielleicht auch, das ist mir zu langsam. Manche Menschen mit Behinderung sagen, ich bräuchte mal jemand, der richtig schnell ist, der mich bei einem Marathon begleitet. Ich bräuchte jetzt mal so einen Läufer, der auch mal drei Stunden laufen kann und da immer die richtige Person zu finden. Die das richtige, das gleiche Tempo hat, sich die Zeit nimmt, da Spaß dran hat. Das ist oft schon eine Herausforderung.

Urs Weber: Das ist ja eine sportliche Herausforderung, aber menschlich natürlich auch, wie bei allen anderen Laufpartnerschaften natürlich auch. Du hast so ein Motto oder auch den Titel deines ersten Buches so auch gewählt. Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser. Und da sagst du auch unter anderem in dem Buch, ich weiß, dass Vertrauen trainiert werden kann. Und das finde ich sehr schön. Verena, was empfiehlst du? Wie trainiert man Vertrauen?

Verena Bentele: Also was ganz wichtig ist, erst mal sich die Bedürfnisse klarzumachen, die man hat und diese Bedürftnisse auch dem Gegenüber zu kommunizieren. Also wenn ich jetzt mit dir laufe, wir waren jetzt vorher nicht zum ersten Mal miteinander laufen, deswegen wusstest du das schon, aber wenn wir zum ersten mal miteinander laufen gegangen wären, hätte ich dir einfach gesagt, wichtig ist bei mir, bitte mir unbedingt die Stufenansagen, die Bordsteine oder andere Kanten, die größer sind, weil ich bin schon relativ häufig umgeknickt, ich habe schon einige Bänderdehnungen an den Knöcheln hinter mir. Deswegen leih mir bitte gerne deine Augen und erzähl mir, wo die Stufeln sind. Ja. Ansonsten gibt es bei mir jetzt beim Laufen nicht so viel Spezifisches, worauf zu achten ist. Aber das ist so der erste Punkt, da sehr transparent zu sein mit den Bedürfnissen, vielleicht auch mit den Bedenken, die man so hat, sich die gegenseitig mitteilen. Und dann ist aber das Wichtigste wirklich für das Training von Vertrauen, die Erfahrungen gemeinsam zu sammeln und eben auch, ja, Dinge mal auszuprobieren. Nicht wegen zu vieler Ängste lieber nichts zu machen, sondern eben wirklich mal zu sagen, okay, los, ich traue mich das jetzt, ich probiere das aus. Und ich will vor allem ein neues Erlebnis haben, will Spaß haben, will mal was probieren und lasse mich da nicht von zu vielen Ängsten einschränken. Das ist für mich eben eigentlich so das Wichtigste am Vertrauenstraining.

Urs Weber: Ich muss so ein bisschen grinsen, wenn du das sagst, nicht so von vielen Ängsten einschränken lassen. Wie geht es, wenn ich mit dir laufe, immer umgekehrt? Ich bin manchmal, ich will schon mehr auf die Bremse treten und ich sage mir, ach, jetzt Trail, Wurzeln und Verena bremst nicht, die läuft einfach drauf los.

Verena Bentele: Ja, wir sind vor dem Berghoch und runter gerannt zu einer Bank und ich bin halt Kind vom Land. Ich bin früh viel durch die Wiesen und mit den Ponys durch die Gegend und im Wald unterwegs gewesen. Deswegen bin ich jetzt eher, also ich bin eher so ein bisschen das Gegenteil. Ich bleibe mir eher nicht stehen, wenn jemand sagt, jetzt warte mal kurz, würde ich immer erst mal weitergehen. Und meine Freunde sagen manchmal, bleib halt mal stehen, wenn ich sage, warte, das ist schon ernst gemein. Da kommt jetzt wirklich eine schwierige Stelle, da brauchst du jetzt Erklärungen dafür.

Urs Weber: Aber hast du das mal erlebt, dass Guides oder andere Läuferinnen oder Läufern mal zu ängstlich waren oder ängslich waren, dich zu begleiten, weil sie nicht wussten, was sie machen sollen?

Verena Bentele: Also ich erlebe es schon, gerade wenn Leute neu mit mir laufen zum ersten Mal, dass sie dann schon eher zurückhaltend sind. Und gerade beim Langlaufen gab es es schon öfter, dass jemand einfach auch gesagt hat, das ist nichts für mich, ich habe da zu viele Bedenken, fühle mich da nicht sicher genug und dann bringt es auch nichts. Es müssen sich schon beide in der Situation auch sicher fühlen.

Urs Weber: Ja, aber eigentlich gerade das Laufen, das gemeinsame Laufen. Wenn es jetzt gerade so eine Strecke ist, wie jetzt hier vorhin an der Spree, wo man also wirklich dann einen langen Laufweg hat, das ist eigentlich eine relativ lösbare Aufgabe.

Verena Bentele: Es ist eine lösbare Aufgabe. Und gerade zusammen laufen, da kann ich jetzt auch nur allen Läuferinnen und Läufern Mut machen. Wenn ihr jemanden trefft, der nicht sieht und vielleicht ein bisschen Unterstützung braucht, oder ihr habt Lust mal mit jemandem zu laufen, wollt nicht immer alleine laufen und es trifft jemanden, der vielleicht auch einen Begleitläufer braucht, probiert es einfach aus, weil die Menschen mit Sehbehinderung oft schon sehr genau wissen, was sie für eine Unterstützung brauchen. Und es ist an mir beispielsweise, dir zu sagen, was ich brauche und dir auch ein bisschen die Angst zu nehmen. Und ja, dann kann man da echt gemeinsam einfach auch tolle Erfahrungen haben. Ich hör das schon noch so von meinen Freunden, dass die auch oft froh sind, wenn sie eben nicht einen langen Lauf ganz alleine machen, sondern jemanden zum Ratschen haben, zum Quatschen. Das ist ja auch für andere schön. Deswegen ist Laufen wirklich eine tolle Sportart, um anzufangen. Wenn man eben auch dieses Band hat als Absicherung, man kann das am Anfang auch ganz kurz nehmen, dass man sehr dicht zusammen läuft. Wenn man da ein bisschen mehr Platz hat in irgendeinem Park oder an einem Fluss, kann man es länger machen, das Band. Dass beide so ein bisschen mehr Armfreiheit haben. Also das kann man beim Laufen einfach auch toll variieren. Und die Übung macht da extrem viel aus. Also ich weiß es noch, als mein Freund angefangen hat, mit mir zu laufen, hat er am Anfang auch schon relativ viel angesagt. Inzwischen kann er einfach auch einschätzen, was ich brauche. Wo er mir sagt, oh Vorsicht, pass auf, Stufe. Oder das sind jetzt große Wurzeln. Oder wo wir einfach durch den Park laufen. Er sagt halt nichts, weil er weiß, die sind so klein. Wenn sie normal die Beine hebt und nicht rumschlurft, dann kommt sie drüber.

Urs Weber: Ich kann es nur spiegeln, es ist eine total super Erfahrung, nicht zuletzt, weil, wie eben gesagt, das Laufen ist natürlich eine tolle Kommunikationsplattform und beim Laufen kann man toll zusammenlaufen und wenn man da eben gemeinsam läuft, hat man eben auch sehr viel Zeit, Möglichkeit und die beste Gesprächebene eigentlich. Du hast eben schon mal darauf hingewiesen, Verena, seit, ich glaube, 2021 bist du auch Vizepräsidentin vom DOSB, des Deutschen Olympischen Sportbund. Und jetzt nehmen wir natürlich diesen Podcast zu einem Termin auf, wo wir noch gar nicht wissen, wie und ob es mit der Olympiabewerbung Deutschlands weitergeht. Wie zuversichtlich bist du da?

Verena Bentele: Also ich wohne ja in München, wenn ich nicht in Berlin arbeite, wohne ich in Münchien. Und die Münchnerinnen, ich habe, mein Herz schlägt schon eher in Süddeutschland, ich komme aus Schwaben, wohnte in Bayern schon seit dem Studium, habe im Olympischen Dorf gewohnt als Studentin, das war auch mega toll, das ist ein Studentenwohnheim in München. Das ehemalige Olympische Dorf und da durfte ich sehr lange drin wohnen und zum Olympiastützpunkt rübergehen in den Olympiapark, dort viel trainieren. Das war super, auch für mich damals als Sportlerin. Also, ich habe ein sehr... Großes München-Olympia-Herz und habe mich auch 2011 schon für die Olympia- und Paralympics-Bewerbung eingesetzt. Das hat damals nicht geklappt, wie wir alle wissen. Jetzt hat München als Erste der Städte in Deutschland schon in einer Bürgerbefragung ein positives Votum abgegeben, also ein sehr positives, dass doch über 66 Prozent der Münchnerinnen und Münchnen olympische und paralympische Spiele wollen. Das fand ich super.

Urs Weber: Hat dich das überrascht oder bestätigt?

Verena Bentele: Also mich hat es bestärkt und bestätigt, dass so viele Menschen das gut finden. Das finde ich schon.

Urs Weber: Weiß gar nicht, viele Zweifel, es war ja nicht klar, wenn ich das so die Stimmung in München mitgekriegt habe. Stimmung in München mitgekriegt hat.

Verena Bentele: Also es war echt ein bisschen unklarer und ich war am Ende schon positiv begeistert, wie groß die Zustimmung war. Jetzt wird Hamburg und Rhein-Ruhr, die werden das nächste Jahr noch machen. Die Bürgerbefragung Berlin ist auch noch in der Reihe der Kandidatenstädte. Und ja, auf jeden Fall ist für mich die Botschaft, eine positive, mal wieder Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland zu haben. Das wäre gerade auch in diesen politisch herausfordernden Zeiten, was so motivierend ist, ein tolles Vorbild für ein gesellschaftliches Miteinander. Würde auch jungen Menschen jetzt sagen, hey, wenn du ein sportliches Ziel hast in 15, 20 Jahren, kannst du das auch hier in Deutschland erreichen. Das wäre schon richtig schön. Also ich bin immer noch Feuer und Flamme für die Idee.

Urs Weber: Und wir haben ja auch ein tolles Vorbild, würde ich fast sagen, auf jeden Fall ein toll Beispiel gesehen, letztes Jahr in Paris mit dem Olympischen Spiel.

Verena Bentele: Paris war mega, ich durfte da sein für den Deutschen Olympischen Sportbund und hab leicht athletisch im Stadion geguckt, hab den Eiffelturm vor mir gehabt und den Beach Volleyballplatz daneben. Also das war schon sensationell, wirklich auch mitten in dieser Kulisse die Sportstätten zu haben und die Wettkämpfe war echt eine sehr, sehr tolle Stimmung und das würde ich mir für Berlin, München, Rhein-Ruhr oder Hamburg alle auch wünschen. Wer es am Ende wird, wird man noch sehen, da werden wir dann noch auswählen müssen, Aber wir haben vier tolle Bewerberregionen und Ja, die Spiele hier in Deutschland wäre einfach für uns als Gesellschaft und auch für das Thema Förderung der Sportstrukturen, für Trainingsstätten, die dann neu gebaut und saniert werden, für Möglichkeiten vielleicht auch in der Bildungspolitik, dass Sport eine größere Rolle spielt und wir doch jeden Tag eine Bewegungsstunde haben in der Schule. Das wäre auch so bitter nötig, um Kindern und Jugendlichen den Weg zur Bewegung und Sport mehr zu ebnen und zu zeigen. Das wäre schon eine Riesenchance für uns alle.

Urs Weber: Das ist ja, gerade bei Kindern und Jugendlichen wird das seit Jahren eigentlich geredet, aber so richtig geändert hat sich bisher noch nichts. Das wäre ein riesiges Wunschanliegen, ne? Wahrscheinlich bei dir auch, ne.

Verena Bentele: Uns im DOSB von mir persönlich ist es wirklich ein Riesenanliegen, weil es wäre so wichtig, wirklich den Kindern, Jugendlichen und späteren Erwachsenen auch den Spaß an der Bewegung, die Möglichkeiten zu zeigen, auch selber wirklich präventiv tätig zu werden, aber ja, einfach auch selbst was für die eigene Gesundheit, den eigenen Körper zu tun und einfach auch die sozialen Erlebnisse zu haben. Also was ich durch den Sport erlebt habe, wie ich schon rumgekommen bin in vielen Ländern, das ist einfach für mich, für mein Leben war das auch immer eine... Ganz, ganz tolle Erweiterung meines Radius, meines Bewusstseins hat mir tolle Erfahrungen und tolle Freundschaften gebracht.

Urs Weber: Zum Glück haben wir gerade im Laufen ja tatsächlich auch ein paar tolle Vorbilder, also ein paar tollen Mütter, die gerade im laufen auch toll sind. Du nanntest eben schon die Fabienne, dann haben wir auch Dominika und Mela Kejata, auch alles junge Müttern, die also Wahnsinns-Best-Zeiten auch auf die Straße legen. Ich glaube, das darf man auch nicht unterschätzen, welche Vorbildfunktionen die haben.

Verena Bentele: Ja, das ist wirklich toll, was wir da für Geschichten heute kennen. Was die in dem Fall jetzt jungen Frauen für Geschichte schreiben, wie sie das hinkriegen mit eben Kind, mit teilweise noch Jobausbildung, Sport und wirklich auch auf so einem tollen Level den Sport noch zu machen. Das ist schon auch was Besonderes. Aber wie gesagt, ob es jetzt auf einem Top Level ist oder einfach nur, weil es Spaß macht. Es ist einfach für mich immer noch wichtig und toll, wenn wir als Gesellschaft schaffen, da auch die guten Rahmenbedingungen für. Zu erzeugen. Und gerade meine eben Kollegin aus dem DOSB Präsidium, die Fabian Königstein, das war für mich auch dieses Jahr in Berlin, nachdem ich selber so fertig war und kaputt, konnte ich mich trotzdem den ganzen Tag dran freuen. Die hat so eine tolle Bestzeit dahin gezaubert, war richtig schön.

Urs Weber: Ja, die Leistung kann man gar nicht hoch genug schätzen. Also die hat nach ihrer Marathon-Bestzeit in Hamburg, ich glaube, das war so sieben, acht, neun Monate nach der Geburt ihrer Tochter, hat sie dann ihre Marathon Bestzeit um sieben Minuten verbessert. Und jetzt, dies Jahr in Berlin, die schnellste Deutsche. Das war also eine Wahnsinnsleistung bei den Bedingungen vor allen Dingen auch. Verena, du bist, ja, wie würdest du dich als Sportlerin bezeichnen? Du hast ja heute auch tatsächlich so diesen Wunsch, oder du sagtest eben schon zu Eingang, du suchst dir immer wieder Herausforderungen. Du bist wirklich also so eine Multisportlerin, die ja eigentlich vor allen Dingen auch liebt, sich so an die Grenzen zu treiben, körperlich und mentale Grenzen auch mal zu verschieben.

Verena Bentele: Also was mich immer noch interessiert und begeistert ist, genau was du sagst, die Grenzen zu erleben, die Grenzen, zu spüren, zu Spüren wie weit kann ich kommen, was kann ich schaffen und da sind eben gerade solche längeren Geschichten wie eben 300 Kilometer Radfahren, bei der MSR, einen Marathon laufen, irgendwann mal ein Ultra zu laufen. Das sind schon die sportlichen Ereignisse, die mich heute interessieren. Du bist auch Trondheim Oslo. Ja ich bin drei Mal gefahren, 540 Kilometer auf dem Rad. Das will ich auch gar nicht ausschließen, dass das nicht noch mal kommt oder was anderes, die Wetterensee Runde in Schweden. Also, ach, es gibt noch so viele schöne Dinge und das begeistert mich einfach bis heute. Ich habe natürlich leider nicht mehr so viel Zeit und dann auch noch die Herausforderung, dass ich ja immer doch Trainingspartnerinnen und Partner brauche. Deswegen bin ich jetzt heute nicht mehr auf Tempo, aber ich bin auf Schaffen, Durchhalten, innere Grenzen überwinden und das so in meinen Alltag einbauen, diese Herausforderungen. Und das ist für mich heute die Big Challenge, die mich immer noch interessiert und begeistert und an der ich einfach auch so viel lernen kann. Also wie das meine Resilienz verbessert, wie ich dann eben auch mit Herausforderungen umgehen kann. Vielleicht auch mal damit umgehen, wenn ich die Herausforderung nicht schaffe. In Berlin wäre ich jetzt auch gerne schneller gelaufen, aber Mai, muss man halt da nächstes Jahr hinkriegen, den Marathon etwas schneller zu laufen wieder. Und ja, das ist für mich und mein Leben immer noch eine absolut schöne Bereicherung, diese Langstrecken-Events zu haben.

Urs Weber: Naja, und du erlebst natürlich da auch oder kommst in einen Erlebnisbereich, wo ganz wenige Menschen auch noch hinkommen. Also ich erinnere mal, du hast den Kilimanjaro bestiegen schon, oder was, hast tatsächlich, ich glaube sogar er ist der Blinder Mensch auf dem Mount Meru, ne?

Verena Bentele: Genau, das ist so ein Berg direkt daneben, der zweithöchste in dem Massiv. Und da war ich zacken, zumindest die Leute dort alle, der erste blinde Mensch, der den Maun-Meru bestiegen hat, der technisch fast auch so ein bisschen schwieriger noch als der Kilimanjaro ist. Und das war für mich auch eine ganz besondere Erfahrung, so lange an einem Berg rum zu kraxeln, eigentlich kaum einen Schritt alleine machen zu können, das war schon auch spannend. Also auch da wird bestimmt noch das ein oder andere Mal kommen an Berg und Herausforderung, das macht mir schon auch Spaß, auf jeden Fall.

Urs Weber: Wenn man sein individuelles Ziel erreichen möchte, und wenn da der unbedingte Wille da ist, dann schafft man das. Das ist auch so ein Satz, den du gesagt hast, und der passt natürlich genau zu diesen Erlebnissen.

Verena Bentele: Ja, auf jeden Fall. Also ich glaube schon sehr dran. Und das ist auch so für mich in meinen Vorträgen beispielsweise immer ein Thema. Viel findet eben doch im Kopf statt. Also wenn ich ein Ziel habe, ist das Allerwichtigste, dieses Ziel wirklich deutlich zu kennen, es vor den inneren Augen zu haben, aber dann auch an dieses Ziel zu glauben und mir dann eben auch den Weg dahin zu strukturieren. Das sind für mich schon immer noch so die wichtigen Voraussetzungen, aber insbesondere wirklich auch der Glaube an das Ziel. Hilft auch in der Politik das eine oder andere Mal, wenn Projekte doch länger dauern und aufwendiger sind. Aber eben auch so für mein Leben war das eigentlich immer so die beste Möglichkeit, auch um Motivation zu haben, um durchzuhalten, um weiterzumachen, einfach auch ein konkretes Ziel zu haben.

Urs Weber: Verena, dann wünschen wir dir viel Erfolg weiterhin, auch beim langsamen Bohren dicker Bretter in der Politik, wo du sicherlich die Konstanz und deinen Willen aus dem Sport gut einsetzen kannst. Du bist gleich wieder unterwegs zum nächsten Vortrag. Worum geht es da? Genau.

Verena Bentele: Genau, das ist jetzt in dem Fall der Deutsche Tourismus-Tag, wo ich eine Keynote halte. Das ist jetzt allerdings als Sportlerin, also nicht für den VdK, sondern wirklich als Sporterin mache ich das. Und genau, spreche da zu den, genau auch zu diesen Themen. Was sind eigentlich heute so die Ziele, die wir gemeinsam verfolgen können, die eben der Gesellschaft Rechnung tragen und die die Menschen eben auch gerne annehmen und aufnehmen? Was sind Ziele für die wir Menschen begeistern können, dass sie zum Beispiel nachhaltig reisen, das Ziel. Eben auch sich gut aufgehoben fühlen mit ihren individuellen Bedarfen und Bedürfnissen. Das wird auch spannend.

Urs Weber: Ich hab eben gesehen, hier in deinem Koffer, hier im Büro steht auch, hast du schon gepackt, sind da Laufsachen dabei?

Verena Bentele: Meine Laufsachen sind dabei, wobei ich morgen mal schauen muss. Realistischerweise laufe ich eher in München wieder und nicht an dem Ort des Vortrags realistisch gesehen. Würde ich sagen, ist der Abendlauf morgen das Mittel der Wahl. Da kann man jetzt im Herbst nur wünschen, dass er uns nicht mit nur Nebel überzieht, weil dann wird es schwierig, glaube ich, meinen Laufpartner zu motivieren und mich selber vielleicht auch. Wer weiß?

Urs Weber: Ich glaube, dich braucht man nicht zu motivieren, das kommt von selbst.

Verena Bentele: In der Regel geht das gut. Auch nach einer langen Zugfahrt ist ein Lauf einfach eine gute Geschichte.

Urs Weber: Vielen Dank auf jeden Fall für den schönen Lauf heute Anna Spree mit dir, Verena, und vielen Dank für deine Zeit hier für den Podcast.

Ela Wildner: Danke. Ciao.

Urs Weber: Ciao!

Ela Wildner: Ja, war das nicht ein spannendes und inspirierendes Gespräch? Ich finde schon und hoffe, dass es euch da genauso ging und euch diese Podcastfolge damit gefallen hat. Ganz vorüber ist sie noch nicht, am Ende gibt es noch einen kleinen Hinweis. Wenn ihr jetzt Interesse hättet, auch mal Führungsläufer für blinde und seheingeschränkte Läuferinnen zu sein, dann schaut euch gerne mal den Link an, den wir euch in die Show Notes gepackt haben, nämlich zum Guide-Netzwerk Deutschland. Und wer weiß, vielleicht seid ihr dann ja auch bald mal ein Guide. Für jemanden mit See-Einschränkung. Schreibt uns doch gerne in die Kommentare, ob ihr da Interesse dran habt, ob ihr euch überhaupt schon mal mit dem Thema beschäftigt habt und welche Themen ihr euch auch sonst hier im Podcast wünschen würdet. Wir freuen uns immer über euer Feedback und freuen uns natürlich, wenn ihr unseren Podcast auch abonniert habt, damit ihr die nächste Folge nicht verpasst. Bis es da dann wieder heißt, hallo und herzlich willkommen, sage ich an dieser Stelle aber erstmal Ich bin Ela Wittner, wünsche euch schöne zwei Wochen und bis zur nächsten Podcast-Folge.

Über diesen Podcast

RUNNER'S WORLD ist das größte Laufmagazin der Welt.

In unserem Podcast besprechen wir aktuelle Themen der Läuferwelt, interviewen Gäste – oder plaudern auch einfach mal nur.

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