RUNNER'S WORLD Podcast

RUNNER'S WORLD Podcast

Transkript

Zurück zur Episode

Ela Wildner: Und es ist wieder Zeit für ein herzliches Hallo und Willkommen im Runnerside Podcast. Das hier ist Folge 197. Schön, dass du dabei bist und vielleicht läufst du ja sogar gerade und hast an den Füßen Laufschuhe. Darüber, wo man die denn so kaufen kann, geht es in dieser Folge unseres Podcasts. Mein Kollege Urs Weber hat sich mit Jörg Seifert von der Sport 2000 unterhalten. Über den Laufschuhkauf generell und auch das Laufen früher und heute und auch in Zukunft. Sehr, sehr spannendes Gespräch, lohnt sich auf jeden Fall reinzuhören. Das gibt's jetzt hier. Ich bin Eda Wildner und wünsche euch viel Spaß dabei.

Urs Weber: Im heutigen Runners World Podcast geht es, naja, wie immer, ums Laufen natürlich, aber diesmal aus dem Blickwinkel derjenigen, die in dem Laufen eine Existenz sich aufbauen. Zum Beispiel, indem sie Laufschuhe in ihrem Running-Shop anbieten, beraten und verkaufen. Wir sprechen dazu mit einem, der sich mit diesem Thema auskennt und ein sehr erfahrener Branchenprofi ist, mit Jörg Seifert, Head of Running Division bei der Sport 2000. Hallo Jörg!

Jörg Seifert: Hallo Urs, danke für die Einladung. Ich freue mich sehr auf unseren Podcast.

Urs Weber: Jörg, ich freue mich auch. Ich muss dich ein bisschen einführen, weil wir kennen uns schon sehr lange. Du hast über 30 Jahre Erfahrung in Sport und Industrie auf lokaler, regionaler, aber auch auf globaler Ebene. Und hast in zahlreichen Positionen gearbeitet. Ich weiß, letzte Woche, als wir telefonierten, da warst du gerade auf Mallorca. Jetzt warst, glaube ich, am Wochenende in Luxemburg. Wo erreiche ich dich jetzt eigentlich gerade?

Jörg Seifert: Tatsächlich mal heute zuhause in Düsseldorf, da wo ich seit über 20 Jahren mit der Familie lebe. Aber du hast recht, wir sind ein internationales Netzwerk von Händlern und dementsprechend sind wir viel unterwegs und natürlich sind auch die Marken sehr international unterwegs und dann ist man schon mal auf Reisen.

Urs Weber: Jörg, wir werden nachher darüber sprechen, warum es derzeit kaum ein lukrativeres Geschäft gibt als einen Running Shop zu betreiben, was das so attraktiv macht, wie es da so läuft, was so läuft. Wie man einen gründet, was man dabei verdient vielleicht sogar, aber vielleicht erstmal ein bisschen zu dir, du hast einen sportwissenschaftlichen Hintergrund ursprünglich, warst früher sportlich eher so der Schnellkrafttyp, war Sprinter, war auch im Wurfkader. Und bist heute eher so der, du sagtest mal, Typ-Gesundheitsläufer, der auch mal so berufsmotiviert bei Staffeln mitläuft. Aber ich weiß neulich, oder neulicht vor einiger Zeit, bist du den Marathon auch schon mal mitgerollt auf Inline-Skates. Insofern Laufen gehört für dich ja wirklich zum Tagesgeschäft. Und zwar nicht nur, wenn du selbst jetzt mit Laufschuhen aktiv am Rhein unterwegs bist und da joggst, sondern eben weil es dein Beruf ist. Du bist, ich hab's eben schon gesagt, du bist Division Manager Running bei der Sport 2000. Jörg, was machst du denn da so?

Jörg Seifert: Ja, zunächst mal muss man vielleicht als Zuhörer verstehen, was die Sport 2000 ist. Die Sport 2000 ist ein Verbund von verschiedenen Händlern. Wir haben generalistische Händler, die also viel verkaufen. Wir haben sehr spezialisierte Händle, zum Beispiel im Teamsport oder im Outdoor oder sogar auch Wintersport Händlers, Hockey, Golf, Tennis, was es auch immer gibt. Und ich bin halt im Speziellen für das Thema Running verantwortlich. Das heißt einmal insgesamt für alles, was mit Running Marken angeht, aber andererseits auch was mit dem Handel angeht und das Herz schlägt natürlich dafür die sogenannten Laufspezialisten, bei uns im Englischen die Running Experts. Das sind halt wirklich reine Laufläden, wo du als Läufer reingehst und das volle Spektrum bekommst, volle Bandbreite an Marken, Analyse und Community. Und da ist die Sport 2000 eben führend. So vom Background, wir versuchen, den Handel erfolgreich zu machen. Das ist unser Motto. Das heißt, Wir versuchen, viele Themen dem Händler eigentlich wegzunehmen, sodass er sich konzentrieren kann. Konzentriern kann auf den Endverbraucher, auf den Läufer. Oft sind unsere Händlern ja auch total verwurzelt in der Läuferszene und müssen da viel Kraft reinlegen und wir versuchen bis in den Background ein paar Services anzubieten, um das Leben zu vereinfachen.

Urs Weber: Und was man so hört, läuft es ja auch ganz gut. Also wir jetzt von Runners World, wir kriegen natürlich die Perspektive mit, dass die ganzen Laufevents, wenn nicht ausgebucht sind, dann doch auf jeden Fall sehr gut besucht. Oder jetzt ist ja Berliner Halbmarathon, der ist natürlich knacker voll, der größte Halb-Marathon in Deutschland. Es war gerade in Frankfurt der Halb Marathon mit deutschen Meisterschaften, mit neuer Rekordbeteiligung. Auch der innerhalb von einem halben Tag ausverkauft. Der Hamburg-Maraton, der jetzt in April ist. War letzten Herbst schon ausverkauft. Also, die Läuferzahlen steigen. Merkt du oder merkt der Handel, merkt ihr das auch so? Was sind da so zwei, drei Zahlen, die du da uns mal nennen kannst?

Jörg Seifert: Absolut. Wir können das von allen Seiten her sehen. Einerseits wissen wir natürlich auch über die Eventzahlen. Unsere Händler führen auch teilweise Events durch. Und da haben wir starke Nachfrage aus Bereichen, die wir vorher auch nie kannten. Man hat immer gesagt, so ein bisschen die Laufspezialisten in ihren Geschäften, die bedienen gerne den Marathonläufer von Marathon Läufer zu Marathon läufer. Heute stehen einfach Anfänger da, Leute, die aus dem Fitness Gym kommen, die sich verabreden wollen, die die Community genießen wollen. Und dementsprechend haben wir zum Beispiel im letzten Jahr mit deutlichst über 20 Prozent den Markt abgeschlossen. Das ist in großen Städten manchmal schon echt schwierig, weil sich natürlich so Freitag, Samstag das ganze Thema knubbelt und man dann schon kaum hinterherkommt.

Speaker 4: Das heißt, die Medien sind voll.

Jörg Seifert: Ja, die Läden sind voll, den Boom merken wir. Also ich bin jetzt 12 Jahre in der Sport 2000 und ich habe auch schon mal 1998, du hast ja gesagt, ich bin schon ein bisschen länger dabei, das Umfeld der Running-Spezialisten betreut. Und das war noch ein ganz anderes Game. 1998 war das wirklich noch jemand, der wirklich ein guter Läufer ist, hat gesagt, Mensch, mir fehlt hier der Laufladen, den mache ich auf. Und der war dann in seiner Bubble und war auch schwierig, immer rauszukommen. Ich bin jetzt seit zwölf Jahren da und ich sag mal, wir haben jedes Jahr mit Plus abgeschlossen. Vielleicht mal eine ganz kleine Delle in Covid, wobei ja Running in Covid eigentlich den riesen Boom dann gelebt hat. Die Delle kam eigentlich in dem Moment, als man nicht wusste, kann man den Laden aufhaben oder nicht. Und dann hat sich das relativ schnell reguliert. Und ich glaube, seitdem die Leute in Covid viel zu Hause waren, wurden viele Fahrräder gekauft. Es wurde aber auch eben viel gelaufen. Man hat auch mal diese Mittagspause genutzt und war dann doch wieder at home und konnte dann weiterarbeiten, was jetzt vielleicht im normalen Büroalltag immer nicht so drin war, sei denn man arbeitet bei uns oder bei euch in der Runner's World. Dann ist es vielleicht normal und dementsprechend sind viele, viele Leute hängen geblieben und ich sehe einfach einen Megatrend. Du erinnerst dich, Anfang des Jahres hatten wir ja wirklich Schnee. Ich glaube, in Hamburg bei euch da oben, das war ja ganz brutal. Und trotzdem hast du Leute gesehen, die gelaufen sind. Und das ist ja auch eigentlich nicht normal gewesen in den letzten Jahren, sondern dann haben man immer gewartet, bis der Frühling kommt. Und dann ist man raus. Und dann gab es den Boom. Aber im Grunde, auch wenn es jetzt dieses Jahr mal am Anfang nicht so gut war im Umsatz, haben wir jetzt wieder total den den Rebound der Leute, die kommen und Schuhe kaufen. Also es ist wirklich... Man kann sich da nicht beschweren. Man darf auch nicht vergessen, man könnte jetzt den Eindruck haben, uns geht es da super gut. Man muss auch eine ganze Menge dafür tun. Personal mal als Stichwort. Du brauchst einfach gute Leute, um auch dem Endverbraucher ein gutes Gefühl zu geben, dass er da abgeholt wird und nicht, sage ich mal, vielleicht in fünf Minuten abgefrühstückt wird, sondern wir geben uns ja wirklich die Mühe, die richtigen Schuhe für die Leute rauszusuchen.

Urs Weber: Das lasst uns auf jeden Fall gleich mal noch vertiefen, aber zu Anfang, Jörg, wollte ich noch mal so ein bisschen auf deine Geschichte auch eingehen, weil du bist ja auch nicht zufällig jetzt zu dem Job, zu der Position gekommen, die du jetzt hast. Du hast eine lange Geschichte im Handel, im Business, im Sportbusiness allgemein. Du warst schon, weiß ich, hast du mir mal erzählt, als Teenie oder als junger Student auch ein Sport und auch ein Geher, ein Ausrüstungsfreak. Was waren so deine ersten Sneaker oder was hat dich so als erstes getouched so bei den Produkten damals?

Jörg Seifert: Ja, man muss eigentlich ganz früh anfangen in der Mitte der 80er. Ich habe wie viele in Deutschland erst mal Fußball gespielt, war so ein bisschen in der Abwehr. Und dann hat mal so ein Trainer zu mir gesagt, Mensch, Junge, du bist zu schnell, geh doch mal zur Leichtathletik. Und unser Verein hatte eine Leicht-Athletik-Abteilung. Da bin ich dann hingerannt und war da irgendwie, ich glaube, 15. Und ja, bin dann da los und dann hat man gesagt, man, du brauchst eigentlich mal Spikes. Und der eine oder andere kann es sich nicht vorstellen, wir reden über die 80er, kein online und auch nicht Geschäfte über links und rechts, man musste ins Geschäft gehen. Und damals gab es eigentlich nur, ich sag mal, Adidas. Ich glaube, Nike gab es damals noch gar nicht so richtig in der Wahrnehmung. Und mein ganzer Verein war auch mit Adidas da gesponsert. Dann hat man sich einen Trainingsanzug vorbestellt und einen Spike vorbestellte. Wurde dann gefragt, ja, willst du einen Sprint-Spreik-Wurf oder sonst was? Man war ja völlig unbedarft und Geld hatte ich auch keins. Also hat man den Trainingsanzug vorbeställt und den Spike. Und dann bin ich quasi immer zum Schaufenster und habe dran geklopft. Sind meine Sachen da? Das ist ja eine Welt, die kann man sich heute nicht mehr vorstellen. Und ja, dann habe ich halt Leichtathletik gemacht, auch sehr gerne und natürlich auch da. Ich war, wie du gesagt hast, im Wurfkader, war Sprinter, war jetzt nicht der Beste, aber ich komme ja hier aus Nordrhein-Westfalen, da war ich jetzt nicht ganz so schlecht dabei. Da kaufte man sich damals dann natürlich verschiedene Schuhe und wollte da auch immer besonders equipped sein. Und das ist auch notwendig. Ich habe auch so verrückte Sachen gemacht wie Dreisprung. Da kann man nicht mit dem Sprintspeik antreten und dementsprechend ist das so vorprogrammiert. Und dann so fast forward, 10 Jahre später habe ich Sport studiert und habe dann im Sportgeschäft gearbeitet. Und so fing dann... Thema an für mich interessant zu werden, weil ich nicht nur im Geschäft gearbeitet habe. Ich hatte das Glück, dass ich bei einer damaligen Sportkette gearbeitet hab, mit zentralem Einkauf. Da hat man schon so ein bisschen mitgekriegt. Da kommen welche vorbei und verkaufen Schuhe an den sozusagen Händler und der Händle verkauft es wieder weiter an den Endverbraucher. Was muss man dafür alles tun? Und das hat mich dann damals gecatcht und das war auch der Einstieg dann in die Und ich habe Freunde, die sind im Fußball. Ich habe Freunde die sind, so wie du, in der, ich sage mal, medienjournalistischen Ebene. Und ich hab eben auch viele Freunde noch aus dem Studium, die irgendwo in der Sportbranche dann untergekommen sind, auch in verschiedenen Bereichen. Und für mich war das irgendwie so ein faszinierender Weg, sich mit Marken zu beschäftigen, mit Produkten zu beschäftige und hatte dann eben so einige Zwischensteps und habe aber immer auch die Verbindung gehabt zum Retail, also zum Einzelhandel und war auch oft beantwortlich entweder im Einzelhandel für den Sportbereich oder auch bei Marken dann nicht nur für das Verkaufen von Produkten, sondern auch für wenn es dort Einzelhändel gab, den Einzel-Handel und ja so bin ich da heute und bin super super happy, dass ich da jetzt auch im Running-Bereich sein darf. Ich kann mir auch super andere Themen vorstellen wie Wintersport und wir fahren alle gemeinsam Ski. So als Sportsstudent ist man da bereits aufgefechtert, aber so diese liebe Leichtathletik hatte ich auch einen Schwerpunkt, auch Biomechanik. Du bist da ja auch, glaube ich, familiär ziemlich stark vorbelastet, sich mit Produkten auseinanderzusetzen, mit den ganzen verschiedenen Techniken. Wir beiden haben schon flache Schuhe erlebt, ganz hohe Schuhen, ganz verrückte Sachen und Vorfuß und Mittelfuß und Barfuß.

Urs Weber: Das ist schon flexibel, ja.

Jörg Seifert: Ja, das ist schon klasse. Und wie sich das alles auch weiterentwickelt, ist ja ein sehr lebendiger Apparat.

Urs Weber: Ja und du bist nach wie vor auch ein Sneaker-Nerd, also jedes Mal, wenn wir uns sehen, hast du irgendeine Special Edition von einer limitierten Handauflage, Sonderauflagen mit Hand-Signierung irgendwie an Sneakern anwenden. Wie viele paar Sneaker hast du? Hast du einen Überblick?

Jörg Seifert: Ah, ich glaube, da will ich gar nicht so drüber reden. Okay. Nein. Also wenn jetzt echtes Nika-Nerds zuhören, die bewegen sich ja immer in Hunderter- und Tausender-Schritten. Nein, ich bin da noch deutlich unter 100, aber ich würde sagen, ich habe ein Büro und einen sehr großen Schrank, ich hab zu Hause einen sehr grossen Schrank und selbst meinen Kofferraum vom Auto. Ja, ich kann es nicht lassen. Also wir sind ja gesegnet, du ja auch, mit Testschuhen und man ist ja auch immer dabei, die neuesten Sachen mal am Fuß zu haben. Ich muss aber auch sagen, ich trage dann gerne quasi die alten, echten Running-Schuhe als Sneaker. Damit zeigt man seine Verbindung zu dem Thema, aber man hat jetzt nicht moderne Schuhe an, die man eigentlich zum Laufen nimmt, sondern einen alten, coolen Schuh. Da gibt es ja auch tolle Themen, wo man vielleicht ein Schuh selber früher noch gelaufen ist und ihn heute so zu Jeans trägt. Das ist natürlich doppelt schön in der Branche, dass es Lifestyle ist. Und Performance ist. Und im Moment mischt sich das ja extrem stark. Vielleicht einen Satz noch, weil du gerade gesagt hast, mit einem Laufladen kann man viel Geld verdienen. Vielleicht im Moment am besten. Da würde ich fast noch das Thema Coffee Shop dazu nehmen. Und wenn man dann noch heute Coffee Shop und Laufen verbindet, dann hat man, glaube ich, da perfekt alles gewonnen.

Urs Weber: Das Geschäftsmodell, lass uns gleich mal ausrollen, ja, genau, aber wir sind ja mitten im Thema, weil du jetzt diese Verbindung von Running, Sport, Lifestyle auch gerade ansprichst, aber vorab noch eine Frage, in welchen Fachhandelsgeschäften bist du jetzt oder gehst du einkaufen oder warst du jetzt in den letzten Wochen? Also was kaufst du tatsächlich stationär in Fachgeschäfte ein?

Jörg Seifert: Ja, das kommt immer wirklich stark drauf an, ob ich eine Leidenschaft für etwas habe. Also ich fotografiere zum Beispiel sehr gerne und da kann man ja online sich alles anschauen. Aber ich mag, wenn ich was kaufe zum Thema Fotografie, gehe ich gerne ins Geschäft. Ich muss sagen, bei Schuhen allgemein fällt es mir extrem schwer, nicht ins Geschäft zu gehen, weil doch. Die Form, die Größe, das ganze 3D-Thema. Ich habe jetzt auch nicht den einfachsten Fuß. Da möchte ich schon gerne reinschlüpfen. Und genauso stelle ich das immer fest, wenn es um Klamotte geht, Textilien. Ja, es gibt bestimmt immer mal Marken, wo ich genau meine Größe weiß und dann drücke ich auch mal online den Knopf. Keine Frage, aber da geht es oft um Geschwindigkeit und sage mal kurzfristige Lieferung oder einfach keine Zeit für Shoppen. Aber ich gehe schon gerne raus und habe die Sachen an. Ich muss aber auch sagen, der Handel, also bei uns bin ich ganz zufrieden, allgemein hat natürlich die Herausforderung auch meine Erfahrung dann gut zu machen. Das ist das A und O. Ich gehe ja gerne ins Geschäft und gebe gerne auch Geld aus. Aber es sollte eben auch eine Erfahrung sein, die Spaß macht und die nicht stressig ist, weil es ist es ist ja schon zum Teil stressig, in die Stadt zu fahren, in einer Stadt wie Düsseldorf. Wenn man selber vielleicht nur am Samstag Zeit hat, das ist voll. Da muss man parken.

Urs Weber: Die Fußnote müssen wir gerade dazwischen machen, du bist in Düsseldorf, in der Innenstadt.

Jörg Seifert: Genau, genau. Und das ist dann schon natürlich per se vielleicht für den Einerhandlern stressig, kenne ich auch so im bekannten Kreis. Oder manchmal muss man eben auch anstehen, wenn man was Bestimmtes haben möchte oder darauf warten. Und deswegen, wir müssen immer schauen im Handel, dass wir wirklich eine gute Erfahrung dem Konsumenten geben und dass es auch weiterträgt und sagt, boah toll, und dass wirklich so ein paar Werte auch zählen. Weil man muss sich auch immer überlegen, ich bin da auch ein Kämpfer dafür, jetzt mal abgesehen von Running. Wenn wir keinen Handel mehr haben Und das passiert ja teilweise in kleineren bis mittelgroßen Städten. Dann bricht natürlich viel weg. Dann gibt es auch das Café nicht mehr, weil vielleicht eben der Handel fehlt, die Leute nicht in die Stadt fahren. Und dann veröden natürlich die Städte. Und das merke ich bei mir hier im Dorf. Ich wohne in Düsseldorf im kleinen Stadtteil. Und da gehen die Älteren jetzt raus. Es gibt kaum Nachfolge. Und dementsprechend wird es natürlich irgendwo immer weniger und unattraktiver. Und ich sag mal Zehn Gastronomien reicht dann auch vielleicht immer nicht, um dann den Umsatz zu machen. Man braucht schon den Handel auch und ob es ein guter Buchladen ist, das nette Café nebenan, guter Modeladen und vielleicht eben der spezialisierte Handel, der da auch die Zukunft hat. Das ist schon ganz wichtig und das ist uns auch als Sport 2000 eingebunden in den ANWR-Konzernen. Wir machen ja auch Braunschuhe, Lederwaren, kümmern uns auch um Themen wie Bücher oder Spielzeuggeschäfte. Also wir sind da ganz breit aufgestellt. Handel ist schon ein ganz wichtiger Aspekt, den wir auch holistisch sozusagen insgesamt sehen.

Urs Weber: Und da nochmal speziell jetzt der Running-Handel, du hast es ja eben schon ein bisschen angedeutet. Ich habe jetzt von einzelnen Running-Experten, also Leuten, die einen Laufladen machen, gehört, dass es wieder so einen, ich nenne es jetzt mal Retro-Trend, aber einen Trend zurück zum Geschäft gibt. Also dass Leute, und zwar gerade jüngere Leute, habe ich jetzt gerade aus Berlin wieder gehört, tatsächlich jetzt wieder dieses Erlebnis, dieses Shopping-Erlebnis suchen oder sich verabreden dazu. Kannst du das bestätigen oder merkt ihr das tatsächlich auch an Zahlen?

Jörg Seifert: Absolut. Wir können bestätigen, dass wir wirklich aus jeder Zielgruppe, aus jedem Alter wirklich den Zulauf der Endverbraucher haben und auch oft Leute reinkommen, die sagen, ich habe meine Online-Erfahrung gemacht, der Schuh hat nicht gepasst, der schuh hat im ersten Moment gut sich angefühlt, aber nach ein paar Kilometern hatte ich Probleme. Aber es geht nicht nur um auch sozusagen die Verkaufssituation. Wir sind ja auch Ansprechpartner für den Tipp. Also Wie fange ich denn überhaupt an mit dem Laufen? Wie geht es denn weiter?

Urs Weber: Da liegt viel drin. Sonst könnte man sich ja fragen, warum gehen Leute gerne einkaufen, warum gehen die Leute gerne in Geschäfte. Das muss ja mehr sein als nur das Produkt.

Jörg Seifert: Ja, also ich meine, das ist ja für alle Menschen so, normalerweise mögen wir Menschen und wenn man jetzt 100 Prozent aller Läufer nimmt, wo die kaufen, dann ist es schon so, dass 80 Prozent nicht zum Spezialisten gehen. Auf der anderen Seite 20 Prozent aller Menschen, die laufen in Deutschland, bei etwa 100 Geschäften, die wir jetzt wirklich Running-Spezialisten nennen in Deutschland. Da steht eine ganze Menge Mensch dahinter. Also wir können gar nicht alle bedienen und es ist auch nicht so, dass einer ins Geschäft kommt und immer da bleibt wegen der guten Erfahrung oder im Geschäft anfängt und dann weggeht, sondern alle sind hybrid heutzutage. Es gibt nicht mehr, ich kaufe online, ich kauf stationär. Ich glaube, dass viele Leute doch ein bisschen diesen Ratschlag neben dem Schuh suchen. Also Trainingstipps, Event-Tipps. Viele suchen bei uns auch dieses Zuhause in einer Community. Weil alleine laufen macht Spaß, gar keine Frage. Warum fangen viele Leute an? Die wollen alleine sein, die wollen den Kopf frei kriegen und dann irgendwann sagst du okay, ich habe meine eigenen Einheiten. Ich will jetzt entweder ein Ziel erreichen oder ich merke aber auch alleine macht mir Spaß, aber ich könnte auch mal mit anderen laufen. Jetzt gibt es keinen in der, sage ich mal, Geschwindigkeit oder der immer die Zeit hat. Und wir bieten ja mit den aller, allermeisten Geschäften Community Runs an, die immer an bestimmten Tagen stattfindet, also eine große Verlässlichkeit für die Endverbraucher. Dazu gibt es Test-and-Try-Events, also da, wo eine Marke vorbeikommt und sagt, heute kannst du mal das Neueste testen. Das ist ja eine Unverbindlichkeit, also ich muss das Produkt nicht kaufen, sondern ich kann es einfach mal anschauen. Und ich meine, dann geht es ja nicht nur um Schuhe, es geht dann auch mal, was ist eigentlich Nutrition? Ich will jetzt hier den Halbmarathon machen und meine Freunde erzählen mir alle, ich brauche Dagelx und das kannst du natürlich dir alles online irgendwie zusammen googeln und die Runner's World lesen und da kriegst du bestimmt gute Hinweise und gute Tipps. Aber so von Läufer zu Läufern, ich glaube, das ist schon ein riesen Thema. Und ich glaube da, das bringt die Leute zu uns. Und wenn die dann die gute Erfahrung haben, dann erwarten wir auch nicht, dass die alle halbe Jahre wiederkommen und immer ihren Schuh wieder bei uns kaufen. Das wäre natürlich toll, aber es ist schon so, dass die meisten eher so zwei Jahre brauchen, um mal wieder aufzutauchen. Wir überlegen auch gerade, woran es liegt. Das kann natürlich daran liegen, dass man vielleicht mal ein Schnäppchen mitmacht oder dass man gar nicht so viel läuft, wie man angegeben hat und dann doch vielleicht die Nutzungsdauer etwas stretcht und ganz lange läuft. Da gibt es ja immer die Diskussion, wie lange ist so ein Schuh eigentlich gültig für mich? Und dann muss ich das ja eigentlich nur dividieren durch meine Leistung und dann sagen, OK, abgelaufen. Aber wer macht das schon? Wir haben mal eine Befragung gemacht vor etlichen Jahren und es gibt Leute, die laufen einfach mit extrem alten Schuhen rum, weil die sich vielleicht auch wohlfühlen und die sehen dann nicht, dass der Schuh vielleicht brüchig ist, das Material brüschig ist. Ermüdungserscheinungen und solange die fit sind und keine körperlichen Schmerzen haben, spricht ja auch nichts dagegen, wenn einer mal ein bisschen länger auf seinem Schuh läuft. Die sollen ja einfach nur glücklich sein und der Lauf-Community erhalten bleiben. Ja und das ist, glaube ich, so insgesamt. Wo wir an so einer Anlaufstelle sind. Das ist, glaube ich, beim Spezialisten, weil man sich halt nur um das Thema kümmert und nicht zufällig gerade noch Schnee liegt und Ski verkauft werden oder gerade Skateboard oder Inlineskate-Season ist oder die Bike-Abteilung ruft. Wir kümmern uns immer um Running. Du kannst zu uns kommen in den Laden. Es ist immer einer da, der läuft und der eine Ahnung hat. Und ich glaube, das holt die Leute rein.

Urs Weber: Das deutet das jetzt an, um ein guter Running-Händler zu sein, da braucht es viel mehr als nur eben dieses Verkaufswissen oder um das Wissen der, ja weiß ich gar nicht, wie viele Marken habt ihr. Ich habe im letzten Shop mal gesehen, da waren allein 10 Running-Shoe-Marken vertreten, plus natürlich oder multipliziert. Mit den Modellen ist das so etwa ein Durchschnitt.

Jörg Seifert: Absolut. Du bist ja an der Quelle sozusagen und übersiehst den ganzen Markt. Und das ist ja auch richtig, dass man sich dem Thema als Redaktion wirklich breit fächig nährt. Wir versuchen natürlich eine gewisse Selektion da zu haben. Es gibt die Einhändler, die sehr, sehr breit aufgestellt sind und vielleicht sogar mit 15 Marken da langgehen, aber dann vielleicht eher ein, zwei, drei Modelle haben und sehr selektiv über das Produkt kommen. In unserem effizientesten System, wir haben verschiedene Systematiken unter den Running Experts, da sind es sechs bis acht Marken, die 80, 90 Prozent des Umsatzes machen und dann sind es vielleicht noch lokale Marken oder es sind mal die Spikes, die es nur von einer bestimmten Firma gibt oder es gibt das Thema Trail, was vielleicht auch nochmal eine bestimmte Marke erfordert. Also mit zehn Marken bist du schon top aufgestellt und damit bedienen wir. Alle Menschen und alle Kunden, das ist gar kein Problem. Es ist sogar so, um mal eine Zahl zu nennen, die vielleicht ganz interessant ist, mit etwa zwölf Produkten machen wir die Hälfte unseres Geschäftes. Das heißt, bei aller Individualität sind es doch ganz, ganz bestimmte Produkte, wo wir sagen können, die holen alle ab, weil jetzt wird ein zuhörer vielleicht interessanter Was machen wir da genau? Wir setzen uns ja mit den Firmen hin und sehen sehr, sehr früh Schuhe. Das heißt, jetzt gerade, du hast gesagt, wir waren gerade mit einer Marke auf Mallorca, da bietet es sich an, weil das Wetter schon schön ist und das hat so eine gewisse Tradition für diese Firma, dass man sich da mit Experten trifft. Wir waren da 40. Und ein Teil davon ist sehr stark in der sogenannten Produktgruppe involviert und engagiert. Und wir schauen dann Schuhen schon von 28 an. Das heißt, das ist ja noch ganz weit weg, wenn jetzt gerade 26 ist. Und dann gucken wir uns die Pipeline an und schauen genau mit den Firmen, was sind die Schuhe, die das abbilden, wo wir glauben, damit können wir unsere Endverbraucher abholen. Wir sehen auch manchmal Schuhen, wo wir dann sagen Ja. Da gibt es zwei Produkte, wenn wir die zusammenbringen könnten, dann wäre es der ideale Schuh. Wenn man so früh dabei ist, gibt es dann auch Möglichkeiten. Natürlich gibt es die Möglichkeiten auch nur, wenn wir uns als Mannschaft der Händler darauf einigen, dann auch diese Schuhe zu kaufen. Bei uns gibt es keinen Zwang. Aber die herrschen.

Urs Weber: Aber die Hersteller hören dann darauf und verändern sogar das Produkt?

Jörg Seifert: Ja, absolut. Also es ist so, dass wir ja tatsächlich auch Modelle haben, die nur in unserer Gruppierung der Running Experts verkauft werden. Das sind dann die Produkte, die haben wir nicht rausgezogen aus einer Tasche und haben gesagt, mach die mal exklusiv für uns. Sondern das sind im Wesentlichen die Schuhe, wo wir gesagt haben, der Schuh ist mega, weil der bräuchte zum Beispiel in der Ferse noch mehr Halt. Und dann bauen wir zum Beispiel ein Tooling Bis dahin. Oder der Schnürsenkel ist nicht so besonders performant. Ihr hattet mal bessere Schnürsänkel, lasst uns die zusammenbringen. Und da gibt es auf jeden Fall schon das Feedback.

Urs Weber: Man merkt schon, das erfordert zum einen sehr viel Auseinandersetzung mit dem Produkt, Produktkenntnis, die man dann zusammenbringen muss mit dem Läufertypen. Wer passt in diesen Schuh oder wie matcht eben der Schuh zum Läufertyp? Das erforderte natürlich viel Beschäftigung. Das kenne ich, kenne wir hier von Runners World jetzt auch aus der redaktionellen Beschäftigungen und aus den redaktionen Tests mit Schuhen. Was mich zu der Frage bringt, wie arbeitet eigentlich so ein Running Handler? Also runtergebrochen, wie viel Zeit hat er eigentlich, sich so mit diesen Produkten auseinanderzusetzen? Also der muss sich ja ständig weiterbilden, ständig neue Produkte kennenlernen, neue Materialien, Fertigungsmethoden, Komponenten, Lieferwege, Sonstiges. Wie viel Zeit verbringt er mit den Produkten, mit dem Kunden, wieviel auch mit der Bürokratie? Habt ihr da so Anhaltszahlen?

Jörg Seifert: Ja, wir versuchen natürlich wie eingangs erwähnt, so ein bisschen das Leben der Händler da, wo es geht, zu vereinfachen.

Speaker 5: Mhm.

Jörg Seifert: Auf der anderen Seite muss man natürlich verstehen, die meisten, die ein Laufsportgeschäft gründen, machen das als Läufer aus der Leidenschaft.

Speaker 5: Ja genau.

Jörg Seifert: Die meisten sind auch übrigens Männer, also hier der Aufruf an alle Frauen, die zuhören, bitte macht ein Laufgeschäft auf, da ist auch eine riesen Lücke. Das Business ist Männer getrieben, dementsprechend ist es auch sehr Schuh getrieben. Es ist sehr vom Produkt getrieben und alle Händler, würde ich sagen, durch die Bank beschäftigen sich gerne mit dem Produkt.

Speaker 5: Mhm.

Jörg Seifert: Und haben ja mindestens zweimal im Jahr sozusagen, wir reden über Saisons, Frühjahr, Sommer und Herbst, Winter, die Gelegenheit, alle Schuhe sich anzuschauen, alle Schuh in die Hand zu nehmen. Größtenteils, wir bieten auch Testmöglichkeiten an, die Schuhen selber zu testen und sich daraus ein Sortiment zu erstellen. Wie machen wir das jetzt einfacher, das Leben für die meisten? Wir haben eine sogenannte Produktgruppe. Da sitzen sowohl nationale als auch internationale Kollegen, die selber Handel betreiben, zusammen. Und dort schauen wir uns immer mindestens die Top-8-Marken an. Manchmal haben wir auch noch eine Run-up-Marke und schauen die uns abends oder morgens an. Aber wir geben 8 Marken die Gelegenheit, innerhalb von 3 Tagen, 2-mal im Jahr wirklich ganz intensiv auf die Produkte zu schauen. Und bevor diese Meetings mit Händlern stattfinden, schauen wir in einer etwas kleineren Gruppe als Zentrale. Und manchmal sind auch Händler dabei, je nachdem, wie es von der Zeit passt. Gucken wir schon sozusagen vorab und machen einen Schulterblick. Und diese Gruppe. Die schaut dann wirklich intensiv drauf und das kannst du dir vorstellen, weil du die meisten kennst, da gibt es Diskussionen. Der alte Schuh war besser, der neue Schuh, der kann ja gar nichts. Das Material, also da ist wirklich Herzblut und Liebe drin und es ist ja so, vielleicht, ich vergleiche ganz gerne mal mit der Autobranche. Du kriegst jetzt einen Golf in der, ich weiß gar nicht wo wir heute sind, siebten, achten Variante und dann kommt einer und sagt, der fünfer, der war doch super. Der hatte da hinten die Achsaufhängung ganz anders und beim Achter finde ich das Technische super oder das Outfit und dann versucht man irgendwie das Beste aus allen Welten zusammen zu bekommen. Und da gibt es dann viele viele Diskussionen. Der Lieferant, also die Marke, will natürlich auch das durchsetzen, was sie als neu und modern sehen. Und das ist ja auch aller Ehren wert und das ist auch deren Geld, was da in die Produkte fließt. Aber natürlich müssen wir sagen, sehr frühzeitig und das machen wir auch. Den Schaum sehen wir nicht. Oder der ist so weich, dass es nicht gut ist für unsere Läufer heute, so ein Thema dann zu kaufen und zu besetzen. Oder auf der anderen Seite Thema Karbon Schuhe, wirst du mich wahrscheinlich auch noch ansprechen. Die sind so hart die Schuher. Wer soll denn damit laufen außerhalb von. Ein, zwei Prozent der Menschheit, die wirklich top trainiert ist. Und ich sage jetzt mal immer noch, bei Marathon 230 liegt und drunter. Und da ist dann so ein bisschen immer zu gucken. Wir sind ja nicht der gesamte Markt, sondern wir bilden eben diese 20 Prozent Läufer ab, die gerne ins Geschäft kommen, die gerne diesen Ratschlag brauchen, die sich irgendwo in der Community wiederfinden wollen. Und die bilden ein Spektrum an Schuhen ab, das wir abbilden müssen. Du kennst ja noch die alte Thematik. Früher hatte man gesagt Stabilschuh und Neutralschuh. Heute ist man ja nicht mehr ganz so hart unterwegs und sagt hier, du musst korrigiert werden, sondern eigentlich musst du geguided werden und du kriegst einen Schuh, der ein bisschen mehr vielleicht auf einer breiten Plattform liegt. Aber du hast zumindest die beiden Kategorien, der eine ist absolut neutral und der andere braucht ein bisschen Unterstützung, nennen wir es mal so. Und dann gibt es aber noch den Trail Schuh dazu und dann gibt's den, der lange läuft, den der ganz schnell und kurz läuft, den der wirklich wettkampforientiert läuft und Dementsprechend brauchst du natürlich unterschiedliche Kategorien an Schuhen und das von unterschiedlichen Marken. Und daraus bilden wir sozusagen ein Sortimentsmatrix. Ohne dass wir einen Zwang haben, dass der Händler bei uns kauft, sondern der Händer kauft bei den Marken, haben wir eine Überschneidung auch zwischen 60 und 80 Prozent. Bei den Produkten, wie gesagt, zwölf Produkte machen auch die Hälfte ungefähr des Geschäfts aus. Sechs bis acht Marken machen 60 bis 80 Prozent der Umsätze und dann der Rest ist so ein bisschen persönliches Gusto. Der Händeler ist, weil du gefragt hast nach Zahlen. Es gibt natürlich Händler, die sitzen oft in den Großstädten, haben mehr Zeit vielleicht fürs Produkt, weil sie riesen Teams haben, weil einfach die Anzahl der Endverbraucher, die kommen, groß ist. Und das ist ein anderes Management, als wenn ich vielleicht einen etwas kleineren, lokaleren Laden habe, vielleicht ein höheres Einzugsgebiet. Dann habe ich vielleicht mehr noch selber auf der Fläche zu tun. Ich sage mal, in Städten wie München, Hamburg, Frankfurt, Berlin, das sind Manager von Geschäften. Die haben alle mal angefangen, selber auf der Fläche zu stehen. Heute sitzen sie doch eher als Manager im Büro und haben natürlich mehr Zeit, sich aufs Produkt zu fügen.

Urs Weber: Ich kann mich erinnern, als wir in München mal zusammen standen, da zählte Sport Schuster, die haben ja Samstags verkaufen, die an manchen Tagen über 150 Paar Laufschuhe. Da dachte ich, what, wie geht das denn, aber es ist natürlich genau so, wie du sagst, diejenigen, die das Geschäft mal gegründet haben, haben jetzt eine ganz andere Funktion und da steht dann auch eine Verkaufsmannschaft von 8 Leuten, 10 Leuten, 12 Leuten oder sogar noch mehr. Das zeigt einerseits natürlich das Interesse an dem Thema Laufen natürlich, aber zeigt andererseits eben auch wie anspruchsvoll das Geschäft dann ist, also die Schuhe zu verkaufen, das muss man ja auch erstmal hinkriegen. Also das muss ja auch sagen, es gibt ganz unterschiedliche Typen.

Jörg Seifert: Ja, wenn ich da mal einhaken darf, also Sport Schuhe ist ja ein super Beispiel für die, die sich jetzt in München nicht auskennen. Das ist mitten in der Stadt. Da geht der Punk ab. Da gehen wahrscheinlich über eine Million Menschen im Jahr hin. Die sind sehr stark in Outdoor im Ski Bereich. Klettern kriegt man da und Laufabteilung in der ersten Etage ist auch wirklich sehr gut. Und die haben sozusagen auch einen etwas anderen Job als unsere reinen Laufspitzalisten, weil die haben eine hohe Frequenz. Da kommen Menschen rein, die haben noch gar keine Ahnung, dass sie überhaupt laufen wollen oder die nehmen das so als Dritthobby, weil sie halt Ski fahren. Und wir haben dann zum Beispiel noch die Lauf Bar in München, weil du gerade sagst, am Samstag verkauft der Schuster die Schuhe. Wahrscheinlich verkauft er Schuster am Samstag die Schue, weil die L auf Bar als echter Spezialist, sagt ja schon der Laufbar, der hat Samstags zu. Das ist Wahnsinn, wir haben alle gedacht, der Volker ist der Besitzer, mit dem Johannes zusammen, der ist verrückt. Und am Ende hat er es geschafft, seine Endverbraucher auf die Terminschiene zu bekommen. Das heißt, wenn du in München, da sitzt ein bisschen außerhalb, ein Schuh kaufen möchtest, dann solltest du einen Termin buchen. Und er hat dann drei verschiedene Angebote. Also, ich sag mal, eine ganz normale Standardanalyse, dann eine aufwändigere Analyse. Wo du auch mehr als den Schuhverkauf bekommst, sondern mal Vergleichsdaten. Wie laufe ich denn eigentlich im Vergleich mit meiner Konstitution, mit dem, was ich will? Und du kannst eine sehr aufwendige und auch kostenintensive Analyse dann bekommen. Und so hat es geschafft, von Montag bis Freitag sein Geschäft zu machen. Also wir sind da, ich bin da extrem stolz drauf, dass wir so unterschiedliche Formate auch haben und Konzepte und die alle irgendwie auch in ihrer Art funktionieren.

Urs Weber: Bewundernswert. Also ich kann mich erinnern, als der Volker mir mal eine E-Mail schrieb und sagte, ich mache das Geschäft demnächst am Samstag zu, da dachte ich, what? Das ist jetzt das Ende. Und das ist nicht das Ende, sondern der wird jetzt im Herbst sein 25-jähriges Bestehen feiern und soweit ich weiß, geht es ihm da auch tatsächlich geschäftlich gut, aber er denkt da vor allen Dingen ja auch an seine Kolleginnen und Kollegen, die Mitarbeiter. Die haben jetzt halt eben eine ganz normale Arbeitswoche in Anführungsstrichen. Wir müssen nicht mehr am Samstag ins Geschäft gehen. Das war ja auch so ein Argument, was er angeführt hat. Er muss eben sehen, Stichwort Fachkräftemangel, wo er gute Leute hat, die eben tatsächlich in der Beratung auch gut sind und die er auch über die Woche verteilt eben auch an einem Samstag eben dann beschäftigen kann oder eben nicht beschäftigen muss. Aber das zeigt, das finde ich so das Faszinierende. Es gibt so Typen, es gibt so ganz unterschiedliche Typen. Ja, ich meine, was vereint die Jörg? Das ist natürlich die einen... Also zum einen... Das ist, glaube ich, so der Bodensatz ist die Begeisterung fürs Laufen. Das sind alles irgendwo passionierte Läuferinnen oder Läuber, aber es kommt natürlich sehr viel mehr dazu. Du sagtest eben, zehn oder teilweise zwölf Marken haben die, die müssen natürlich auch ein gewisses kaufmännisches Geschick mitbringen und ja, was kommt an Qualitäten dazu, was würdest du noch nennen?

Jörg Seifert: Ja, also ich sag mal, die meisten haben ja irgendwo, wenn wir jetzt mal die neuesten Eröffnungen weglassen, Ende 80, Anfang 90 entstand das Thema. Die kamen dann vielleicht aus dem Sportstudium, aus dem Laufen, aus einem Büro, aus der Spedition, Physiotherapeuten. Und irgendwie waren sie halt tolle Läufer und haben dieses Erlebnis halt nicht gespürt woanders. Wo kann ich meine Schuhe kaufen und wo kriege ich ein offenes Ohr und wo rede ich auf Augenhöhe? Und so sind quasi die ersten, haben damit angefangen und die hatten alle gar kein Background. Und wenn wir jetzt mal fast forward 30 Jahre machen oder 25 wie Volker und auch Jos, glaube ich, in Frankfurt, hat 25-jähriges oder mindestens 20, ist glaube 25-Jähriges dies Jahr auch schon, dann bist du heute natürlich irgendwo ein Manager, der ganz vieles machen muss, was es damals noch gar nicht gab. Du musst ja heute Social Media Manager sein. Das heißt, in den sozialen Medien präsent sein. Du musst mit der lokalen Szene immer noch unterwegs sein. Du bist vielleicht sogar im Event Bereich unterwegs. Bist vielleicht auch selber noch Läufer. Haben wir auch ganz viele, die noch Trainingspläne schreiben oder sogar noch Trainer sind. Wir haben jemanden in Berlin long distance, der Karsten ist noch Leichtathletiktrainer. Wer macht das heute noch ehrenamtlich freiwillig? Das sind ja auch alles so Themen, die unsere Leute auch noch.

Urs Weber: Oder in Potsdam die Diana, ne?

Jörg Seifert: Genau. Genau. Und dann gibt's. Genau. Und Laufakademien unserer Händler, oft dann vielleicht noch das Biomechaniklabor, also behind the scenes, also gar nicht die Laufanalyse vorne, sondern ich habe noch ein Biomechaniklapor, um den Leuten richtig zu helfen. Da musst du ein unglaublicher People Manager sein, weil du willst ja tolles Personal haben. Du möchtest ja, obwohl die vielleicht am Samstag jetzt in München nicht arbeiten, als krassestes Beispiel, du willst aber trotzdem, dass die abends beim Test and Try dabei sind oder wie hier in Unterberge 150 Leute beim Community-Run verpflegen und abholen, damit es ein schönes Event auch wird. Also es kommen da ganz viele Sachen dazu. Beim Kaufmanagen, ich sag mal so, wir haben Beratung auch von unserer Seite draußen. Wir stellen Tools zur Verfügung, also zum Beispiel Limitplan. Jeder, der jetzt nicht im Handel ist, ganz einfach erklärt, wenn ich eine Million Umsatz machen möchte, da muss ich wahrscheinlich dafür den. Die Schuhe einkaufen und jetzt kann man sich auch vorstellen, dass man ein Lager hat und man kann nicht immer nur ein Schuh kaufen, ein verkaufen. Da braucht man eine gewisse Planung und Routine und die wurde natürlich jetzt über die Jahre verfeinert und entwickelt. Man kann immer mal daneben liegen mit einem Produkt, mit einer Marke. Aber ich glaube, da geben wir auch den Händlern große Sicherheit. Ich glaube, unser Vorteil als Gruppe, deswegen sind wir auch so connected untereinander, ist halt Benchmarking. Also man kann wirklich mal wie jetzt im Sport. Ich bin mal eine 11.0 auf 100 gelaufen. Dann kann jemand anders sagen, wow, Mensch, dafür bist du gar nicht Marathon gelaufen oder ganz langsam. Können wir auch mal sagen, Mensch mit deinem Geschäft müsstest du eigentlich mit dem Standort den und den Umsatz machen. Oder schau dir mal die und die Zubehörmarke an. Mach noch ein bisschen extra Umsatz auch. Und wir sind ja nie jemanden, also jetzt für alle Zuhörer, die bei uns reingehen und wir verkaufen irgendwas extra, um irgendwas extra zu verkaufen. Aber es ist ja schon wichtig, Schuhe sind das eine. Der Socken ist ganz wichtig, was manchmal Menschen für einen Baumwollsocken anziehen und dann in dem Schuh laufen, dick und vielleicht noch mit Rippchen und dann sagen, ich habe Blasen und es tut mir weh. Dann hatte ich ja vorhin schon gesagt Ernährung, Pulsuhr, wenn dann einer wirklich mal in die Zonen gehen will oder merkt, ich mache das vielleicht, um gesundheitlich fitter zu werden. Dann sollte man vielleicht auch mit einer Uhr oder mit einem Wearable trainieren. Das sind also Themen, die schauen wir uns dann im arrondierenden Sortiment an. Wo wir noch ein bisschen Potenzial haben, ist natürlich das Thema Textil und auch Merchandise. Also da sind wir alle nicht die Besten drin, versuchen da auch unser Bestes. Also dieser ganze bunte Blumenstrauß, den brauchst du, um heute ein Geschäft zu führen und vielleicht noch abschließend, du brauchst eigentlich die Leute, die für dich arbeiten im Geschäft. Den du auch heute sagst, du bist nicht nur Verkäufer, sondern vielleicht ist der junge Mensch nicht nur verkäufe, sondern dein Social Media Manager, weil er das eh viel besser intuitiv drauf hat. Und vielleicht ist er der nächste der Community Manager. Und so hangeln wir uns da auch gerade lang und erfinden uns auch in den letzten zwei, drei Jahren absolut neu. Also muss man ganz klar sagen, das Community Business ist erst nach Covid wirklich richtig entstanden. Es gibt natürlich Marc Böhme, der jetzt letztes Jahr sein Laden weitergegeben hat in Essen von der Boonard-Gruppe, der hat schon immer stark Community gemacht am Baldeneysee, aber es haben eben nicht alle gemacht und heute kannst du kaum noch ohne Community eigentlich auskommen. Du musst den Leuten mehr bieten als Verkauf von Schuhen.

Urs Weber: Wie viele Schuhe verkauft denn so ein Geschäft? Und da beziehungsweise um eine zweite Frage. Du sagtest schon, die Schuhen sind das Hauptgeschäft. Wie viel Prozentanteil des Umsatzes machen die Schuh aus?

Jörg Seifert: Also locker, ohne irgendwie da eine falsche Zahl in den Raum zu werfen, 80 Prozent. Ich glaube, wenn wir alle ehrlich miteinander sind, geht es wahrscheinlich fast Richtung 90. Aber du hast einen Bereich, tatsächlich Socken ist viel, also Kompressionssocken beispielsweise ist schon ein sehr starker Anteil. Dann haben wir das Thema eben Nutrition, das ist natürlich umsatzmäßig nicht stark, aber ist natürlich schön, weil a. Kannst du den Leuten helfen, b. Kommen sie vielleicht öfter rein, weil sie die Nutrition kaufen wollen. Uhren ist ein kleiner Bereich und Textil. Wir wollen immer 10 Prozent und es gibt auch Ausnahmen, die vielleicht 20 Prozent schaffen. Es gibt aber auch leider viele, die die zehn Prozent nicht schaffen. Da gehen unsere Endverbraucher gerne auch woanders hin, wobei ich sagen muss, zum Beispiel auch wieder an das Thema Women, Frauen gedacht, also ein Sport-BH sollte man bitte, bitte, bitte auch wirklich in einem Sportgeschäft, wenn nicht bei uns dann in einem, sag ich mal, guten Sportgeschäfte kaufen, weil das ist das Funktionsteil neben dem Schuh für eine Frau, da sollte man nicht sparen und natürlich ist bei Textilien oft auch der Schrank mal voll. Also ich habe Jacken, du wahrscheinlich auch, die kannst du dein Leben lang fast tragen. Und bei T-Shirts ist es manchmal auch so, und dazu kommen noch die ganzen Event-T-Shirt, das ist nicht ganz so einfach. Ja, und die Frage, wie viel Schuhe so ein Geschäft verkauft, ich sag mal, wenn du heute bei uns ungefähr siehst, dass ein Schuh 160 Euro im Schnitt kostet.

Speaker 5: Mhm.

Jörg Seifert: Wir haben zwar auch Schuhe natürlich für günstiger, aber es zeichnet sich so ein bisschen ab. Ich glaube, das deckt sich auch, meine ich, bei dir mit der Runners World, mit den Untersuchungen, dass wir jetzt so ungefähr bei 160 liegen.

Urs Weber: Absolut, ja.

Jörg Seifert: Genau, genau. Oft, wenn du das gesagt hast und ihr das veröffentlicht hat, haben wir immer noch gesagt, Mensch, das wird ja immer höher. Aber es ist so. Ihr fragt das ja unabhängig den Endverbraucher. Wir sehen es am Kassenbon. Du musst einfach heute irgendwo um die 160 Euro rechnen. Und wenn du ab 5000 paar in einem Geschäft verkaufst, je nach Lage, je nach deiner Miete, dann bist du hier in einem Bereich, wo es langsam Spaß macht und damit kannst du selber leben. Selber leben definiere ich immer mit Woher kommst du aus deinem beruflichen Umfeld. Es gibt ja kein Studium der Welt, was sagt Du wirst Laufhändler. Und dementsprechend musst du ja sagen, was habe ich vorher verdient, was möchte ich verdienen? Du trägst das volle Risiko als Unternehmer 24-7, wenn mal Pandemie ist, wenn das Wetter schlecht ist, wenn deine Leute abhauen, wenn die Ware nicht pünktlich kommt oder sie kommt oft dann auch zum selben Zeitpunkt und dann brauchst du ganz viel Geld auf dem Konto. Da unterstützen wir auch als Netzwerk. Wir haben eine Bank dahinter auch, also auch da können wir abfedern. Aber ja, du musst schon irgendwo dann vergleichen, was will ich eigentlich verdienen? Ich will dir nur sagen, Urs, es ist bisher. Ich hoffe, ich trete da niemanden auf die Füße in meinem Dunskreis. Niemand aufgestanden hat gesagt, so, ich mache jetzt ein Laufsportgeschäft auf und damit will ich absolut reich werden und ich mache das bis zum Ultimo im Detail, sondern der Punkt ist immer Leidenschaft fürs Laufen und die Leidenschaft, Menschen zu helfen, gesund zu laufen und dabei zu bleiben. Und dann kommt das Geschäft. Und wenn es dann eben so ist, dass man damit Geld verdienen kann, dann sind alle glücklich, weil die extra Meile zu gehen, dafür musst du Geld verdien. Wir haben Geschäfte, die investieren 50.000 Euro in eine Analyse, die dann ja kostenfrei ist. Ein Arzt, ein Orthopädischuhtechniker, der das über die Kasse abrechnen darf, der kann 50, 60 und mehr Euro für denselben Vorgang abrechenen und verkauft dann vielleicht noch eine Einlage für teuer Geld dazu. Da ist man bei uns, glaube ich, ganz gut aufgehoben, weil normalerweise, wenn man ein Schuh kauft, sollte die Analyse auch kostenfrei sein, es sei denn, es gibt eben Konzepte dahinter, wo man dann vielleicht im Labor sich befindet. Und natürlich gibt es Geschäfte, die sind viel höher. Einer, der es immer veröffentlicht, um mal so eine Benchmark rauszuhauen, in Belgien der Runner's Lab, auch ein Kunde von uns, Händler in der zweiten Generation. Der Vater hat quasi die Druckmessplatten, wo man oft drüber läuft, mit Erfunden oder für den Gebrauch in den Laufsportgeschäften übersetzt, aus der Medizin. Die verkaufen laut eigenen Aussagen, die auch öffentlich sind, 110.000 Paar Laufschuhe. Ich glaube, dies Jahr war es sogar noch ein bisschen drüber. Die haben jetzt mittlerweile auch, ich glaube, neun Filialen. Aber es gibt so drei, vier, fünf Filialien, die richtig laufen. Der Rest ist so in den letzten Jahren dazu gekommen und entwickelt sich gerade. Die sind in Belgien absolut marktführend, sind eventmäßig auch unterwegs. Also da schon wirklich Bums dahinter. Nur dass, sage ich mal, die Zuhörer mal eine Range haben. Wo kann es beginnen und wo kann es irgendwo auch am Ende sein?

Urs Weber: Ja, ich finde es aber sehr gut, dass du darauf hinweist, was alles damit verbunden ist, um diesen Erfolg zu haben, weil wir ja anfangs so ein bisschen blumig gesagt haben, es ist momentan das lukrativste, einen Running Shop aufzumachen. Ja, aber kommt dann, ne? Also es gibt einige sehr erfolgreiche, gute Beispiele und du hast eben auch schon die Beispiel genannt, es gibt tatsächlich eine ganze Anzahl von guten, gutgehenden Geschäften, die mittlerweile jetzt auch in die zweite Generation dann übergehen, ob das jetzt der... Runner Shop in Aachen ist, vom Mann Fréxonneux, der den Laden jetzt so langsam übergibt und übrigens über dessen Ladentür steht die Kunst des Laufens, also auch nicht aus doppeldeutig gemeint oder hier oben in Norddeutschland, in Schleswig-Holstein, der Zippels, der Rainer mit seinem Sohn Paul, die das auch schon sehr erfolgreich gerade hinkriegen. Aber, und ich glaube, das ist auch so ein durchgängiges Moment bei all diesen erfolgreichen Geschichten, die sich auch in den, ja, nicht nur in den letzten Jahren, sondern über die ganzen Jahre immer sehr stark auch angepasst haben an die neuen Bedürfnisse des Marktes und des Geschäfts und der Firmen auch. Denn das muss man ja auch sehen, die Laufszene hat sich ja auch extrem gewandelt. Also derzeit haben wir ja, ich will jetzt nicht sagen paradiesisch, aber wir profitieren ja alle in der Lauf Szene tatsächlich von diesem Laufboom, den es jetzt wirklich noch mal zu verzeichnen gibt. Das Laufen wird größer, das Laufen auch jünger, also gerade die jüngere Zielgruppe wächst ja extrem an. Also wir sehen das jetzt gerade hier bei den teilnehmenden Zahlen in Berlin beim Halbmarathon oder jetzt auch in Frankfurt war es so, es gibt eine ganz starke Beteiligung von den Jüngeren da. Und da sind natürlich auch Zielgruppen auf, die muss man sich auch neu einstellen. Habt ihr da oder hast du so Statistiken wie so Durchschnittsalter, also wer kommt in die Geschäfte? Gibt es da Zahlen oder analysiert ihr das?

Jörg Seifert: Ja, ich sage mal Zahlen nicht wirklich, weil dafür müsstest du dann ganz konkret noch eine Zählung machen und eine echte Statistik anlegen, aber rein aus der Beobachtung und aus dem Feedback unserer Händler. Wir haben zum Beispiel jahrelang von der Industrie die Fragestellung bekommen, wie schafft ihr es, jünger zu werden? In einem Markt, der eben schon in die zweite Generation jetzt auch geht. Und dann teilweise vielleicht auch Spieler am Markt sind, die das durchaus 30 oder 40 Jahre schon machen. Und die konnten wir manchmal gar nicht beantworten. Klar, sagst du dann, wir machen Marketing und wir versuchen, die Leute reinzuholen. Und auf einmal stehen die da. Jetzt kann man sagen, unsere ganzen Bemühungen der letzten Jahre haben sich gelohnt. Ich glaube. Die Äußerlichkeiten des Marktes konnten wir jetzt nicht beeinflussen. Wir können nur da sein. Und das ist das, was du gerade angesprochen hast. Das adaptieren oder das assimilieren und das anpassen an die Bedürfnisse draußen. Das ist, glaube ich, das Entscheidende eines, ich glaube, jeden Sporthändlers, aber auch in der Running-Branche. Das heißt ja, ich muss mich frei machen von... Ich nehme nur Läufer wahr, die unter drei Stunden in Marathon laufen oder die fünf mal die Woche mit mir trainieren gehen, die bolzen können. Und wenn einer sieben Minuten Schnitt läuft, dann ist es mein Freund und nicht derjenige. Ach, was macht denn der da? Das ist eine totale, totaler Wandel in der ganzen Geschichte. Und genauso kam der Wandel mit Marken. Überleg mal selber Marken wie Onn oder Hawker. Vor ein paar Jahren gab es die ja noch gar nicht. Klar ist Onn jetzt, ich glaube, 15 oder 16 Jahre alt, aber bis die dann mal irgendwo Fuß gefasst hatten, hat es ja auch ein bisschen gedauert.

Urs Weber: Wir haben in den letzten 15 Jahren über 15 neue Markengründungen gehabt.

Jörg Seifert: Genau, vielleicht sind andere Spieler jetzt ein bisschen anders aufgestellt. Klar, wir haben immer die, die, sag ich mal, dauerteppig sind, sind Rooks, sind Essex. Aber jetzt hast du New Balance, der richtig stark kommt. Dann hat sich ja nicht nur, sag ich mal die Markenwelt geändert, sondern die ganze Produktwelt. Nochmal als Erinnerung, wir kamen von. Ja, du pronierst, wo man sagt, ja, ich hatte im Studium gelernt, pronieren ist eigentlich schön, weil der Körper dann ja selber seine Funktion übernimmt, der Dämpfung. Und dann gibt es natürlich Fälle, wo das ausfällt und der Körper nicht mehr da ist. Wir kommen ja von diesem ganz klassischen Raster stabil neutral. Und heute musst du dich dann damit abfinden, dass es so gar nicht mehr ist und man ganz anders den Körper unterstützt. Dann gab es eben sehr hohe Schuhe plötzlich. Jetzt versucht man ja gerade so ein bisschen, sich wieder zu besinnen. Auch da meine leidenhafte Erinnerung aus dem Sportstudium ist ja auch schon lange her. Wenn jemand mit Stöckelschuhen geht, das können wir selber gerne mal probieren als Männer, die es nicht gewohnt sind, dann knickst du halt doch vielleicht um. Also weil die Achsen sich ändern und dein Unterschenkel länger wird. Und das ist natürlich bei hohen Schuhen, wenn man nicht tief drin sitzt, auch so. Und da müssen wir immer genau aufpassen, für wen passt das. Aber das ist eben adaptieren. Neben jetzt den ganzen anderen Sachen, die wir besprochen haben. Junge Zielgruppen wollen natürlich ein ganz anderes Interieur vielleicht haben im Geschäft als jetzt das, was heute vielleicht da ist. Und da haben wir auch ganz viel gemacht. Analyse haben wir ganz viel investiert. Da hatten wir auch einen Beauty-Contest mit unseren Händlern zusammen. Was ist denn eigentlich heute moderne Analysee? Ich weiß es eh, was du brauchst, lieber Kunde. Und ich gucke mit den Augen drauf. Es ist die Kamera. Und wir haben uns letztlich dann entschieden, 3D-Fußabdruck, eine Scan-Platte und die Kamera und dann bitte aber auch noch vor im Geschäft oder im Geschäft, wenn es groß genug ist, laufen, weil der Kunde entscheidet. Und darüber gibt es tatsächlich Untersuchungen, schon mit seinem eigenen Gefühl. Du kannst nicht sagen, das ist dein Schuh, genauso wie du schlecht sagen kannst, das ist dein Auto. Also wir sehen ja auch oft immer gerne Menschen, die hochwertige Sportwagen fahren und gar nicht mehr dazu passen. Da gibt es natürlich auch Leute, die wollen einfach einen bestimmten Schuh kaufen. Okay, müsst ihr euch darauf einlassen, aber ansonsten willst du natürlich, dass es da passt. Also da ist viel Adaption und viel nötig, dass es wirklich gut funktioniert.

Urs Weber: Womit wir beim Thema Carbonschuhe wären, lasst uns da einen ganz kurzen Exkurs mal noch machen, aus zwei Gründen, weil zum einen, klar biomechanisch, die Komplikationen brauchen wir, glaube ich, jetzt hier gar nicht so zu vertiefen, aber Carbontschuhe hat ja vor allen Dingen auch eins verändert, die Ausgabebereitschaft. Also es gibt ganz viele Modelle, die kosten weit über 200 Euro. Das geht hoch bis 500 Euro. Und das hat natürlich der Handel auch sehr stark gemerkt. Also die Durchschnittliche Bong, sag ich mal, ist dadurch sicherlich auch nochmal deutlich gewachsen.

Jörg Seifert: Ja, ich glaube, viele können wahrscheinlich eine Verbindung auch herstellen zum Thema Fahrrad, um mal von dem Thema Auto, was ich immer ganz gut finde, wegzugehen. Beim Fahrrad gibt es ja auch so ein bisschen die einen, die wollen einfach nur die Brötchen kaufen gehen. Die anderen sagen, du, Sport ist es nicht, ich möchte von A nach B. Dann kommst du in die Sportliga und dann kommste in die Liga. Oh Gott, elektronische Schaltung und auch ein Carbonrahmen und so weiter. Und dann manchmal passt das nicht zusammen. Aber oft entwickelt sich das so mit der Zeit. Und ich glaube, genauso ist es im Bereich Schuhe. Du darfst jetzt nicht vergessen, wir kommen noch aus einer Zeit, da gab es EVA-Schaum, also ein einfacher Schaum, den kannst du schneiden, den kannst Du in Form bringen. Da gibt es dann sozusagen einen Gegenspieler aus aus Metall. Und dann legst du die Form da rein und dann macht die Maschine Das war mir jetzt mal ganz vereinfacht gesagt. Und dann klebt man den Schuh drauf. So, wenn wir jetzt mal ein On Running nehmen, der spreeit mittlerweile quasi um den Leisten. Also ein Block, der einem Fuß nachempfunden ist, in einer spezifischen Größe spreeht er den Schuhe auf. Und theoretisch kannst du hinterher den Schur recyceln und anderen Schuh draus machen. Das ist Wahnsinn, was da gerade passiert. Das Thema Super Critical Foam, das muss man sich jetzt so vorstellen. Vorher waren es wirklich so wie der Schuh ist, große Sohlen, die wurden irgendwo gepresst. Heute sind das ganz kleine, ja, so vier, fünf Zentimeter Teile und die werden dann mit Nitro aufgepumpt und in bestimmten Verfahren nochmal klein und wieder groß gemacht. Und auf einmal, so wie so eine kleine Explosion, bumm, kommt der Schuhe da raus. Also das ist natürlich aufwendiger. Das ist auch teurer für die Hersteller und genauso haben wir natürlich dann Schuhe, wenn man sich überlegt, dass da heute eben vielleicht die Carbonplatte drin ist, Toolings, also so Werkzeuge um die Stabilität zu gewährleisten, dieser Critical Foam, dann muss man sich mal die Obermaterialien heute auch anschauen, was da mittlerweile an Technik drin ist und Engineering drin ist. Das ist schon extrem aufwendig und dementsprechend geht es natürlich nach oben und wir bewegen uns da tatsächlich in eine Richtung, da hätte ich nie dran gedacht. Auf der anderen Seite kriegst du Top-Material und bist vielleicht dann auch super geschützt und gut unterwegs. Länger halten will ich überhaupt keine Garantien geben, da weiß glaube ich keiner von uns das wirklich einzuschätzen. Da müssen wir auf die Angaben der Hersteller dann achten und auf Vertrauen. Aber es ist schon sehr hochwertig und wenn ich noch einmal zurückkommen darf mit dem schönen Autovergleich, das ist ja, wenn wir Golf 3, 4, 5 nehmen und Golf 8, dann hast du von Handschalter auf Automatik, dann hast du mit GPS-System und Bluetooth drin und da sind wir im Schuhbereich auch. Man hat jetzt nur nicht Technik drin, man hat ja auch schon mal versucht, Technik reinzubringen. Du erinnerst dich Schrittzähler, gab es auch schon in den 80ern mit dem Micro-Pacer von Adidas und später an verschiedenen anderen, selber aufpumpen, selber dein Schuh noch pimpen. Das hat nicht so gut funktioniert. Ich glaube, da sind heute ganz gut unterwegs. Ja, von daher, Carbon ist für uns nur ein kleiner Teil. Aber natürlich ein wichtiger, der das nochmal in die Presse gebracht hat, der das noch mal wie eine Formel eins eben auch bekannt macht. Das ganze Thema. Aber immer, liebe Zuhörer, Vorsicht. Nicht jeder ist vielleicht auch auf dem Carbon Schuh richtig unterwegs.

Urs Weber: Nicht jeder sollte mit dem Formel-1-Rennwagen auf dem Supermarktparkplatz einparken.

Jörg Seifert: Ja, du sagst es.

Urs Weber: Ja, lass uns zum Schluss. Wir haben jetzt die Produktbreite nochmal ganz gut dargestellt. Vielen Dank, hast du sehr gut dargestellt. Das ist aus meiner Sicht genauso, dass sich, das wird nämlich häufig unterschätzt, glaube ich auch. Also bis hin zum Laufhändler, welche Revolution es eigentlich gegeben hat bei den Produkten, was wir also in der Entwicklung in den letzten fünf Jahren, in den letzten zehn Jahren, aber gerade extrem, also du sagtest eben diesen Vergleich, wenn man dann, was weiß ich, einen VW Golf von den 2000er-Jahren mit dem von heute vergleicht, dann sieht man das. Aber die Schuhe haben sich mindestens so entwickelt. Also dieser Technologiefortschritt, den es da gegeben hat, der ist riesig. Jörg, wie ist dein Ausblick? Wir leben jetzt gerade in einer Phase, wo es das Laufen unheimlich Zuspruch erfährt, wo die Läuferzahlen steigen, wo auch der Konsum in dem Bereich natürlich sehr stark steigt. Was denkst du, wie gehen die mittelfristige Perspektive weiter, die nächsten ein, zwei Jahre?

Jörg Seifert: Ja, Urs, ich bin tatsächlich nach Covid mal in der Schleife gewesen. Hoffentlich ist es kein Running Boom und nach Covid geht wieder jeder seinem eigenen Sport nach und vergisst dann, dass Laufen eigentlich das Beste, der Schönste ist, sogar auch mit das günstigste, was du an Sport machen kannst. Und tatsächlich, wir sind. Fest der Meinung, alle zeichen, stehen da auf Sturm, dass wir eine Erneuerung im Markt haben, dass viele Leute dabei bleiben, dass sogar noch mehr Leute dazukommen. Wir haben ja noch gar nicht gesprochen. Der soziale Aspekt des Zusammenlaufens ist ja heute vielfältig. Da geht es ja nicht nur darum, meine Ausdauer zu verbessern. Da geht's darum, Leute kennenzulernen, gerade in den Städten, wo neue Leute drazukommen, die sagen, ich gehe zum Lauftreff, egal ob das die Run Community ist vom Koffeeshop oder wirklich vom Laufladen. Und dann bleiben die irgendwie connected mit dem Laufen und das ist mega und du hast ja gesagt die ganzen Events sind voll und jeder der jetzt mal einen Halbmarathon, das ist ja so der neue Marathon, der mal einen halben Marathon machen möchte, der muss ja jetzt quasi warten und bleibt eben hoffentlich auch dran und ich glaube auch die Industrie ist so gut aufgestellt was Marketing angeht und auch Neudeutsch Engagement, so Städte wie Berlin, die werden ja wirklich ausgeschlachtet. Und wenn du in Berlin lebst, kannst du, glaube ich, jeden Tag morgens bis abends laufen mit unterschiedlichen Communities. Und die Brands investieren da auch viel, auch rund um so einen Marathon. Als du Marathon gelaufen bist, bist du hingefahren, hast Marathon gelaufen, Spaghetti-Party und nach Hause. Heute sind das ja mehrtägige Events mit Abendsveranstaltungen, tagsüber noch Schuh, Neuvorstellungen, Shakeout Runs und und und. Das ist schon fantastisch. Bist du sonst ein Tattoo? Ja, genau. Bisher habe ich noch kein Tattoo. Wie sieht es bei dir aus? Sollen wir eins machen?

Urs Weber: Ich konnte auch wieder stehen, aber ich habe erstaunt vor der Schlange gestanden, da bei den Laufveranstaltungen jetzt bei zwei war ich, da konnte man sich gradig sein Tattoo stechen lassen und ich habe es erstaunen gesehen, wie lang die Schlangen da waren vor dieser Tätowierung.

Jörg Seifert: Ja, also tatsächlich mein lieber Kollege Christoph Goerner, der bei uns das Thema Absolute Run betreut, also Geschäfte, die auch unabhängig betrieben werden, wo wir ein bisschen mehr sozusagen den Rahmen bilden, war sein erstes Tattoo. Und meine jungen Leute, die du auch kennst im Marketing, Fabian oder Julian als Produktmann, bei denen gehört Tattoo quasi dazu, sobald die mal irgendwo Marathon sind, haben die da so eine Erinnerung damit dran? Und ja, mal gucken. Vielleicht erwischt mich auch noch mal irgendwann, wenn das wieder eine Schlange ist, dann gehe ich rein. Ich glaube nicht wirklich.

Urs Weber: Dann machen wir aber einen Vlogcast hier, dann müssen wir die Tattoos auch zeigen hier. Dann müssen wir sie zeigen, genau, genau. Jörg, erstmal vielen Dank. Wir haben jetzt wirklich einen großen Bogen darüber geschlagen, wie sich das Laufen so entwickelt hat, wie das Laufengeboomt ist, wie aber auch die Kunst des Verkaufens in das Lauen hineinwächst. Also wir haben am Anfang so ein bisschen provokativ gesagt, das schönste ist momentan, ein Laufgeschäft aufzumachen, das boomt überall. Du hast aber eben auch sehr schön aufgezeigt, was alles dazu gehört, um ein erfolgreiches Laufen. Laufgeschäft zu betreiben, was man da alles machen muss, welche Qualitäten es da braucht und welche nicht nur kaufmännischen, sondern auch menschlichen Fähigkeiten man dazu braucht neben der ganzen Sachkompetenz. Und ich zitiere dich, Laufen ist das gesündeste und schönste was man machen kann. Jörg, erstmal ganz herzlichen Dank, war sehr aufschlussreich und hat viel Spaß gemacht mit dir zu reden.

Jörg Seifert: Ja, lieber Urs, ich darf dir mal sagen, auch wenn ich schon lange dabei bin, das war mein erster Podcast. Danke, eine Ehre, dass du mich gefragt hast und auch danke für eure Arbeit bei der Runners World und alle anderen, die sozusagen rund um das Thema laufen, unterwegs sind, weil am Ende sind wir alle eine Bubble, eine Community. Und ich glaube, bei euch gab es auch viele Erneuerungen und Umstellungen und haben wir alle gut gemeistert. Und deswegen haben wir eine gute Zukunft miteinander.

Urs Weber: Auf jeden Fall. Jörg, danke. Wir sehen uns beim Laufen. Alles klar. Danke, Urs. Ciao, ciao. Bis bald. Ciao ciao.

Ela Wildner: Ja, ciao und bis bald heißt es auch an dieser Stelle wieder. Hoffentlich hört ihr auch in der nächsten Folge wieder rein. Wenn du keine Folge unseres Podcasts verpassen möchtest, dann abonnier uns natürlich sehr gerne. Und außerdem freuen wir uns auch immer riesig über Kommentare, Feedback und auch gerne gerne Sternebewertungen. Also das gerne machen, um die Wartezeit bis zur nächsten Folge zu überbrücken. Und dann hören wir uns hoffentlich wieder. Bis dahin ganz viel Spaß beim Laufen natürlich.

Über diesen Podcast

RUNNER'S WORLD ist das größte Laufmagazin der Welt.

In unserem Podcast besprechen wir aktuelle Themen der Laufwelt, interviewen Gäste – oder plaudern auch einfach mal nur.

Viel Spaß beim Hören!

Feedback gern an webmaster@runnersworld.de

von und mit RUNNER'S WORLD Deutschland

Abonnieren

Follow us